Ärzte Zeitung online, 25.02.2009

AOK-Analyse: Immer mehr Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen

BERLIN (dpa). Psychische Erkrankungen schlagen nach einer Analyse der AOK bei Krankschreibungen immer stärker zu Buche. 2008 fehlten von 9,7 Millionen AOK-Versicherten rund acht Prozent wegen psychischer Probleme. Seit 1995 seien die Fehlzeiten in diesem Bereich damit um 80 Prozent angestiegen, teilte das Wissenschaftliche Institut der AOK am Mittwoch mit.

Insgesamt waren AOK-Mitglieder im vergangenen Jahr 17 Arbeitstage krankgeschrieben. Im Vergleich zu 2007 mit 16,3 Tagen ist das ein leichter Anstieg.

Die meisten Ausfalltage im Job gab es bei AOK-Versicherten 2008 durch Muskel- und Skeletterkrankungen (24,2 Prozent), Verletzungen (12,6 Prozent), Atemwegserkrankungen (12,5 Prozent) und psychische Leiden (8,3 Prozent). Im Vergleich zu den häufigen Krankheitsursachen sind psychische Probleme oft mit längeren Fehlzeiten verbunden. Bei einer Atemwegserkrankung wie Bronchitis fielen Arbeitnehmer rund 6,4 Tage aus, bei psychischen Leiden waren es 22,5 Tage. Ein häufiger Grund für psychische Erkrankungen sei Dauerstress im Job.

Den wachsenden Anteil solcher Krankheiten registrieren auch andere Krankenkassen seit mehreren Jahren. Die Deutschen Angestellten Krankenkasse stellte Mitte Februar in einer repräsentativen Umfrage fest, dass 800 000 gesunde Bundesbürger gegen Stress und Konflikte am Arbeitsplatz inzwischen regelmäßig zu Medikamenten greifen. Rund zwei Millionen Menschen gaben in der Studie zu, schon einmal Stimmungsaufheller oder Arzneien zur Konzentrationssteigerung geschluckt zu haben. Diese Medikamente sind für Depressionen oder Demenz zugelassen.

In den vergangenen Jahren war der Krankenstand bei AOK-Mitgliedern zunächst stetig zurückgegangen und erreichte 2006 einen historischen Tiefstand. In den letzten zwei Jahren sei wieder ein leichter Anstieg der Ausfalltage zu verzeichnen.

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