Ärzte Zeitung, 23.07.2009

Ethikerin: Priorisierung darf sich nicht allein an Krankheitskosten orientieren

Expertin des Deutschen Ethikrates warnt davor, Patienten gegeneinander auszuspielen.

Von Katlen Trautmann

Welche Pillen soll die GKV noch zahlen? Die Debatte um eine (unausweichliche?) Priorisierung von Leistungen schwelt weiter.

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DRESDEN. Die gesetzlichen Krankenkassen und die Patienten werden nach Ansicht von Professor Weyma Lübbe angesichts knapper Mittel um eine Priorisierung von Leistungen nicht herumkommen. Diese dürfe jedoch nicht nach Maßgabe indikationsübergreifender Kosten-Nutzen-Analysen vorgenommen werden, mahnte sie bei einer Tagung im Hygienemuseum Dresden.

Die Philosophin ist Mitglied des Deutschen Ethikrates. Thema des Kongresses war die gerechte Verteilung knapper Güter im Gesundheitswesen. Würden Kosten-Nutzen-Analysen indikationsübergreifend eingesetzt, müssten Patientengruppen zurückstehen, deren Gesundheitsprobleme im Verhältnis zum therapeutisch erreichbaren Nutzen besonders ressourcenintensiv seien, sagte Lübbe. Die Versorgung eines Patient mit doppeltem Transplantatbedarf, beispielsweise Herz und Leber, müsse nach solchen Analysen als "unwirtschaftlich" gelten, da man mit denselben Ressourcen zwei andere Patienten retten könne. "Mediziner betrachten dies zurecht nicht als Grund, solche Patienten nicht zu versorgen", sagte sie. Die Ärzte würden damit von einem Verständnis von gleicher Achtung ausgehen, das beim Einsatz indikationsübergreifender Kosten-Nutzen-Analysen indes missachtet werde.

Ausdrücklich verteidigte Lübbe die Arbeit des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Dieses steht wegen seines Modells zur Kosten-Nutzen-Bewertung im öffentlichen Kreuzfeuer. Es vergleicht Medikamente und Methoden ausschließlich innerhalb einer Indikation. Kritiker fordern, anders als Lübbe, dagegen den indikationsübergreifenden Vergleich.

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