Ärzte Zeitung online, 26.08.2009

Für Barmer-Chef Vöcking ist private Vollversicherung ein Auslaufmodell

BERLIN (ble). Der Chef der Barmer, Dr. Johannes Vöcking, fordert das Ende der privaten Krankenvollversicherung. "Wir verstehen die PKV nicht mehr als Vollversicherung, sondern nur noch als Zusatzversicherung", sagte er bei der Vorstellung der gesundheitspolitischen Positionen seiner Kasse zur Bundestagswahl.

Für Barmer-Chef Vöcking ist private Vollversicherung ein Auslaufmodell

Barmer-Chef Dr. Johannes Vöcking.

Foto: Barmer

Vöcking bezog sich in seiner Attacke auf die PKV auf das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Gesundheitsreform 2007 und ihren auf die PKV bezogenen Elementen. Die obersten Verfassungshüter hätten deutlich gemacht, dass der Gesetzgeber zur Stabilisierung der GKV in sehr starkem Maße in das Geschäftsmodell PKV eingreifen dürfe, sagte er in Berlin.

Das Modell der Kapitaldeckung in der PKV auf die GKV zu übertragen, bezeichnete Vöcking als "volkswirtschaftlichen Unsinn", zumal die weltweite Finanzkrise die Risiken dieses Systems aufgezeigt habe. Dagegen habe sich das Umlageverfahren der GKV über ein Jahrhundert bewährt.

Allerdings spricht sich Vöcking nicht kategorisch gegen einen Kapitalaufbau in der gesetzlichen Krankenversicherung aus und kann sich eine Demografiereserve durchaus vorstellen. Mittels dem auch den Kassen zur Verfügung stehenden Instruments von Rücklagen sei dies grundsätzlich auch möglich. Allerdings sei hierfür ein höherer Beitragssatz zur GKV notwendig, sagte Vöcking.

Der frühere Büroleiter von Bundesarbeitsminister Norbert Blüm warf der PKV vor, "Kostentreiber Nummer eins" im Gesundheitssystem zu sein. Statt die Gesundheitsversorgung zu gestalten und zu steuern, verhielten sich die Unternehmen immer noch nur als "Payer". Die PKV zahle für alles, "was in das medizinische System hineinkommt" - und das unabhängig davon, ob damit ein medizinischer Fortschritt erzielt werde. Oft seien Privatpatienten sogar "Versuchskaninchen" oder würden zu Untersuchungen gedrängt, die medizinisch überhaupt nicht notwendig seien.

Vöcking plädiert darüber hinaus für den Ausschluss von Volkskrankheiten aus der besonderen Erstattung durch den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich. Damit sollen die Kassen gezwungen werden, künftig präventiv gegen Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes vorzugehen.

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