Ärzte Zeitung, 09.09.2009

Kassen freuen sich über "positives Zwischenergebnis"

Von Thomas Hommel

Die Kassen erzielten im ersten Halbjahr 2009 ein Plus von 1,2 Milliarden Euro. Ihr Spitzenverband warnt dennoch.

BERLIN. Einnahmen in Höhe von 85 Milliarden Euro standen Ausgaben in Höhe von 83,8 Milliarden Euro gegenüber, teilte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit. Laut Statistik konnten mit Ausnahme der Ersatzkassen alle Kassenarten ihre Überschüsse steigern. Das BMG wertete dies als Beleg dafür, dass sich die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nach Einführung des Gesundheitsfonds weiter stabilisiere. Nach dem Abbau eines Schuldenbergs von 8,3 Milliarden Euro bis 2008 hätten die Kassen durch die Überschussentwicklung der vergangenen fünf Jahre wieder ein dickes Finanzpolster von 4,9 Milliarden Euro aufgebaut. Dieses Polster sei eine "gute Grundlage, um auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten durch effizientes Haushalten die vorhandenen Mittel im Sinne der Versicherten zu nutzen". Dank der Zuweisungen aus dem Fonds in Höhe von 167,6 Milliarden Euro, elf Milliarden Euro mehr als 2008, hätten die Kassen auch genügend Spielräume zur Finanzierung der Impfungen der Neuen Influenza A (H1N1), ohne dass deshalb Zusatzbeiträge erhoben werden müssten.

Laut BMG haben bislang drei Kassen für ihre Versicherten die Auszahlung von Prämien beschlossen. Lediglich eine Kasse - die Gemeinsame Betriebskrankenkasse Köln mit rund 30 000 Mitgliedern - müsse einen Zusatzbeitrag erheben. Bundesweit gab es Ende Juni noch 186 Kassen, Ende 2008 waren es 215.

Der GKV-Spitzenverband freute sich über das "positive Zwischenergebnis", warnte jedoch zugleich: Wegen steigender Ausgaben müsse die weitere Finanzentwicklung der GKV mit Sorge betrachtet werden. Der Bundesverband Deutscher Apothekerverbände (ABDA) wies daraufhin, dass Patienten im ersten Halbjahr 2009 für Arzneimittel sechs Prozent mehr Zuzahlungen geleistet hätten als im Vorjahreszeitraum. Auch dies senke die Kassenausgaben.

Ausgaben für Früherkennung steigen stark
Veränderung je GKV-Mitglied in Prozent
1. Halbjahr 2009 im Vergleich zum 1. Halbjahr 2008
Leistungsausgaben insgesamt 6,2
Ärztliche Behandlung 8,1
Zahnbehandlung (kons.-chirurg.) 4,6
Zahnersatz 3,4
Arznei- u. Verbandsmittel insgesamt 5,1
Häusliche Krankenpflege11,2
Krankenhausbehandlung 5,8
Krankheitsverhütung/soziale Dienste- 7,6
Krankengeld 9,9
Fahrkosten 7,5
Kuren und Rehabilitation - 1,0
Früherkennungsmaßnahmen 21,7
Leistungen bei Schwangerschaft ohne stat. Entbindung 3,4
Verwaltungskosten 3,9
Ausgaben insgesamt 83.832 Mio. Euro
Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds82.893 Mio. Euro
Beitragseinnahmen vor dem 1.1.2009 748 Mio. Euro
Einnahmen aus den Wahltarifen nach §53 SGB 5 45 Mio. Euro
Übrige Einnahmen 1.356 Mio. Euro
Einnahmen insgesamt 85.042 Mio. Euro
Überschuss 1.209 Mio. Euro
Quelle: BMG/KV 45Tabelle: Ärzte Zeitung

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »