Ärzte Zeitung, 10.09.2009

Ärzte-Allianz warnt vor weiterer Rationierung

Wartezeiten und Zweiklassenmedizin sind an der Tagesordnung - so eine Umfrage der Allianz Deutscher Ärzteverbände. Ihr Fazit: Ein Politikwechsel tut not.

Von Angela Mißlbeck

BERLIN. Geht es nach der Politik, gibt es sie nicht. Glaubt man den Ärzten in der Umfrage, ist sie bereits Alltag: die Zweiklassenmedizin. Mehr als zwei Drittel der Befragten halten sie bereits für Realität, drei Viertel von ihnen glauben, die Situation wird sich verschlechtern - und auch von denen, die Zweiklassenmedizin noch nicht für alltäglich halten, erwarten 40 Prozent, dass das noch kommt. Nur die allerwenigsten Ärzte erwarten Verbesserungen, wenn die private Krankenversicherung in die gesetzliche einbezogen würde.

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Gesetzlich versicherte Patienten werden sich auf längere Wartezeiten für Behandlungen einstellen müssen, glauben die befragten Ärzte.

Mehr als die Hälfte der befragten Ärzte äußern zudem den Eindruck, dass viele Patienten Wartezeiten auf einen Arzttermin schon heute hinnehmen müssen. Dieser Eindruck ist bei niedergelassenen Ärzten stärker ausgeprägt als bei Klinikärzten. In den Krankenhäusern halten immerhin noch knapp die Hälfte der Ärzte Wartezeiten auf einen Termin für Einzelfälle. Doch die Erwartungen für die Zukunft sind in Kliniken wie Praxen düster: Hier wie dort rechnen mehr als zwei Drittel der Ärzte damit, dass sich Wartezeiten in den nächsten Jahren verlängern. Weitere Ergebnisse: Über 80 Prozent der Befragten würden es begrüßen, wenn Patienten eine Übersicht über medizinische Leistungen und ihre Kosten erhalten.

Viele niedergelassene Ärzte halten daher Direktabrechnung mit den Patienten für den besten Weg. Der Sprecher der Allianz Dr. Klaus Bittmann äußerte sich erstaunt darüber, dass nur noch gut jeder dritte Arzt über die Kassenärztliche Vereinigung abrechnen will. Deutliche Unterschiede gibt es hier aber zwischen den Ärzten im Osten und Westen: Bittmann führt das auf das größere Vertrauen der Ost-Ärzte in die KVen und auf den geringeren Anteil an Privatpatienten zurück.

Die repräsentative Umfrage unter mehr als 500 Ärzten aus Klinik und Praxis hat das Allensbach-Institut für Demoskopie im Auftrag der Ärzte-Allianz seit Ende August vorgenommen. Die sechs Verbände, die nach eigenen Angaben etwa die Hälfte der Niedergelassenen und Klinikärzte vertreten, haben aus diesen Ergebnissen im Vorfeld der Bundestagswahl zentrale Forderungen zu einer "Wahlinitiative" zusammengefasst. An erster Stelle steht dabei die Kritik an Zentralismus und staatlichem Dirigismus in der Gesundheitspolitik.

Als Zeichen hierfür kritisierte Bittmann vor allem den Gesundheitsfonds. Weitere Forderungen der Allianz: Verzicht auf überbordende Regulierung und Bürokratie, Erhalt der solidarischen Krankenversicherung, Schutz des Arzt-Patienten-Verhältnisses und Abkehr von ausschließlich ökonomischer Betrachtung des Gesundheitswesens. Ihre Forderungen richten die Verbände an alle Parteien.

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Kommentar: Deutschland, uneinig Ärzteland

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