Ärzte Zeitung online, 23.10.2009

Von der Leyen: Einheitlicher Beitragssatz bleibt (Update 11.20 Uhr)

BERLIN (dpa/gwa). Update um 11.20 Uhr: Kurzfristig wird sich am Gesundheitsfonds nichts ändern, das heißt, dass derzeit die Beitragssätze für die Krankenkassen stabil bleiben. Der Gesundheitsfonds soll langfristig umgebaut werden, dabei sollen Nachhaltigkeit und Transparenz gewährleistet sein.

Union und FDP wollen den zu Jahresbeginn gestarteten Gesundheitsfonds grundlegend ändern. Die gesetzlichen Krankenkassen sollen längerfristig wieder einen Teil der Beiträge selbst erheben können.

Mit der größeren Beitragsautonomie sieht der Kompromiss in der Gesundheitspolitik eine Abkehr vom einheitlichen Beitragssatz vor. Der FDP-Experte Daniel Bahr bestätigte die Einigung und zeigte sich zufrieden. "Der staatlich festgelegte Einheitsbeitragssatz im Gesundheitsfonds gehört der Vergangenheit an", sagte Bahr der Deutschen Presse Agentur. Die Krankenkassen würden künftig wieder selbst über die Höhe ihrer Beiträge entscheiden.

Derzeit gilt für die rund 180 Kassen ein einheitlicher Beitragssatz von 14,9 Prozent. Davon tragen die Arbeitnehmer den größeren Anteil von 7,9 Prozent, der Arbeitgeberanteil liegt bei sieben Prozent. Das Geld fließt zusammen mit Steuermitteln in den Gesundheitsfonds. Von dort wird es an die Kassen verteilt, wobei Versicherungen mit mehr Kranken höhere Zuweisungen bekommen. Die Gesundheitspolitiker von Union und FDP hatten immer wieder betont, dass die Gesundheitskosten die Lohnnebenkosten für die Wirtschaft nicht weiter in die Höhe treiben sollten.

Während Kanzlerin Angela Merkel (CDU) früh gesagt hatte, sie wolle am Fonds festhalten, hatte die FDP immer wieder betont, ihn abschaffen zu wollen. Die CSU hatte auf Veränderungen gepocht: Weniger Geld sollte bundesweit umverteilt werden. Einen Teil der Beitragsmittel für die Kassen sollten diese direkt einziehen und behalten, so dass die regionale Wirtschaftskraft besser abgebildet werde. Dagegen hatten sich die von der Umverteilung profitierenden Ostländer gewehrt.

Die Verhandlungsführer für Gesundheit - Ursula von der Leyen (CDU) und Philipp Rösler (FDP) - wollen die Einigung gemeinsam mit der CSU- Politikerin Barbara Stamm (CSU) am Vormittag (11.00) in Berlin vorstellen.

Die gesamte Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung soll auf den Prüfstand gestellt werden. Eine Expertenkommission soll vorbehaltlos verschiedene Richtungen prüfen, wie bereits am Vortag bekanntwurde.

Bereits kurzfristig könnten zentrale Stellschrauben am Fonds verändert werden. Den Kassen-Mitgliedern drohen höhere Beiträge. Die CDU hatte die Obergrenze bei den Zusatzbeiträgen von einem auf zwei Prozent des Einkommens anheben wollen. Die CSU hatte hingegen gefordert, den Sonderbeitrag von 0,9 Prozent für die Arbeitnehmer zu einem Zusatzbeitrag zu machen, der direkt den Kassen zufließt. Eine Einigung in diesem Punkt erschien bis zuletzt kaum möglich.

Das erwartete Defizit von rund 7,5 Milliarden Euro bei den Kassen 2010 soll voraussichtlich mit Steuerhilfen in Höhe von bis zu rund vier Milliarden Euro nur zum Teil beglichen werden. Union und FDP wollen zudem die Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal überprüfen, weil das erwünschte Ziel, die Zahl der Arztbesuche zu senken, weitgehend verfehlt werde. Ein Steuerungsinstrument wird aber als unverzichtbar angesehen.

Lesen Sie dazu auch:
Koalition: Einheitlicher Beitragssatz bleibt - Hausarztverträge sind Pflicht

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jede achte Frau braucht nach der Geburt Antidepressiva

Etwa elf Prozent aller Frauen leiden im ersten Jahr nach der Geburt an Depressionen. Unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist der Anteil fast doppelt so hoch. mehr »

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie sie für eine Impfung gewonnen werden sollen, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes Dr. Axel Schroeder. mehr »