Ärzte Zeitung, 05.11.2009

Schweinegrippe: Barmer-Chef kritisiert Berichterstattung

Vöcking: Publikumsmedien machen bei der Neuen Grippe mit Toten Auflage / Innovationsforum in Berlin

BERLIN (ble). Der Chef der Barmer Ersatzkasse, Johannes Vöcking, hat die Medien für ihre Berichterstattung über die Schweinegrippe scharf angegriffen.

Schweinegrippe:
Barmer-Chef kritisiert Berichterstattung

Impfwillige Ärzte in Berlin kämpfen mit der Logistik

Diese verführen nach dem Motto, dass sich nur schlechte Nachrichten verkauften, beklagte sich der Kassenmanager auf dem 2. Nationalen Innovationsforum Medizin am Donnerstag in Berlin. Offenbar müssten "Tote her", um Zeilen zu machen. Welche Medien er genau meinte, sagte Vöcking indes nicht.

Kritik äußerte er zudem an der Skepsis vieler Beschäftigter im Gesundheitswesen. "Wenn schon die Mediziner kritisch sind, ja, was soll dann der Patient denken?" Der Kassenchef sprach sich darüber hinaus dafür aus, dem Thema Hygiene im Schulunterricht allgemein mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Die ehemalige Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags, Martina Bunge (Linke), äußerte Verständnis "für eine latente Unsicherheit in der Bevölkerung" bei der Frage, sich impfen zu lassen oder auf den Schutz zu verzichten. Als Grund nannte die Politikerin, dass sich die Krankenversorgung in Deutschland derzeit in einem Spannungsfeld zwischen Kommerzialisierung und Beibehalt der Solidarität befinde.

Ihrer Ansicht nach verblassen hinter der aktuellen Debatte um die Pathogenität von H1N1 derweil Probleme von größerer Tragweite. So stürben täglich bis zu 100 Menschen in Deutschland an nosokomial erworbenen Infektionen. "Das ist ein Skandal." Erfolge bei der Bekämpfung seien indes nicht zu beobachten, sodass beispielsweise die Niederlande inzwischen den Patiententourimus nach Deutschland unterbänden.

Der CDU-Politiker Rolf Koschorrek übte indirekt Kritik an seinem Parteifreund und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für dessen Aussage, sich nicht gegen die Schweinegrippe impfen lassen zu wollen. Auch für künftige Impfkampagnen sei es nicht hilfreich, wenn sich Mediziner oder Politiker so über die Schweinegrippe-Impfung äußerten, sagte der Zahnmediziner. Notwendig sei gemeinsames Handeln, um die Bereitschaft der Bürger für Impfungen deutlich zu erhöhen.

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Neue Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Darum will Maria Rehborn unbedingt Landärztin werden

Studentin Maria Rehborn möchte Landärztin werden in den Bergen werden – ein Portrait. mehr »

Welches Wasser in die Nasendusche?

In unserem Trinkwasser tummeln sich viele Erreger. Forscher haben nun getestet, mit welcher Methode Nasenduschen-Wasser behandelt werden sollte, um diese abzutöten. mehr »

Die Rückkehr des Badearztes

Eine Medizinerin bringt die Region Wiesbaden ins Schwitzen: als einzige Badeärztin der Gegend. Der "Ärzte Zeitung" erklärt sie, warum sie Treppen steigen lässt statt eines EKGs – und wie sie 75 Patienten an ihrer Zunge erkannte. mehr »