Ärzte Zeitung, 19.11.2009

Herzprogramme überleben die AOK-Fusion

zur Großdarstellung klicken

Das Gewicht der Patienten wird per telemetrischer Waage überwacht.

Foto: PHTS

Von Angela Mißlbeck

Wenn Krankenkassen zusammengehen, ist die Zukunft von kassenspezifischen Versorgungsprogrammen oft ungewiss. Anders bei der AOK Berlin und Brandenburg: Die Integrationsprogramme Curaplan und Cordiva sollen dort nach der Fusion zusammengelegt werden.

BERLIN/TELTOW. Die AOKen Berlin und Brandenburg wollen ihren herzkranken Versicherten auch nach der Fusion zum Jahresende ein besonderes Versorgungsprogramm anbieten.

Dazu sollen die beiden regionalen Integrationsversorgungs-Programme Curaplan Herz (Brandenburg) und Cordiva (Berlin) zusammengelegt werden. Das neue, mehrstufige Programm soll dann Curaplan Herz Plus heißen. Bei dem Brandenburger Modell werden Herzinsuffizienzpatienten telefonisch von Gesundheitsberatern der AOK betreut, an Arzttermine und wichtige Verhaltensregeln wie tägliches Wiegen erinnert und im Umgang mit ihrer Erkrankung unterstützt.

Bei dem Programm Cordiva, das außer der AOK Berlin auch die AOK Bayern anbietet, wird das Gewicht der Teilnehmer mit einer telemetrischen Waage überwacht. In Berlin macht das die Gesellschaft für Patientenhilfe (DGP). Patientenschulungen sind ein weiterer Bestandteil.

Wenn sich die Symptome verschlechtern, nimmt die Gesellschaft Kontakt mit dem Patienten auf und veranlasst eine Arztkonsultation. Die Beobachtungsdaten stehen in einer elektronischen Akte auch dem Arzt zur Verfügung. Vertragspartner der AOK Berlin bei dem seit 2006 bestehenden Projekt ist außer der DGP und niedergelassenen Haus- und Fachärzten auch das Unfallkrankenhaus Berlin.

Eine Begleitstudie zu dem Projekt hat jetzt nachgewiesen, dass diese Form der telemedizinischen Betreuung Klinikaufenthalte um die Hälfte und Krankenhauskosten um 26 Prozent senken kann. Die Gesamtausgaben für die Projekt-Patienten verringerten sich demnach um 16 Prozent, während sie in der Kontrollgruppe um 28 Prozent stiegen. Die Sterblichkeit binnen eines Jahres betrug 4,4 Prozent, in der Kontrollgruppe 12,6 Prozent. Ausgewertet wurden die Daten von 184 Teilnehmern über zwei Jahre. Insgesamt nehmen derzeit 438 Patienten an dem Programm teil.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Quereinstieg zum Hausarzt – reicht ein Jahr Weiterbildung?

Der Deutsche Hausärzteverband warnt vor einer Verwässerung der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Ein Jahr Weiterbildung reiche nicht für Umsteiger aus der Klinik. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »