Ärzte Zeitung, 30.11.2009

Damit der Klassenclown nicht Amokläufer wird

Klinik Essen bietet gemeinsam mit BKKen aufsuchende Schulsprechstunde für verhaltensauffällige Jugendliche

ESSEN (acg). Klassenclown, Mauerblümchen, schlecht erzogen oder einfach nur pubertär - die Liste der Vorurteile über verhaltensauffällige Jugendliche ist lang.

Dass hinter ihrem Auftreten oft eine psychische Erkrankung stehen kann, ist weniger bekannt. Das Projekt "Aufsuchende Schulsprechstunde" der Klinik Essen und der Betriebskrankenkassen in Nordrhein-Westfalen kümmert sich direkt in den Schulen um auffällige Jugendliche. Ein Team aus Psychologen und Ärzten der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikum Essen des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) untersucht an zehn Essener Schulen Jugendliche, die aufgrund ihres auffälligen Verhaltens psychisch erkrankt sein könnten.

Einbezogen sind alle Schultypen. Betroffene Schüler werden von ihren Lehrern ausgewählt, an einer ersten Begegnung mit den Medizinern teilzunehmen. Das Treffen findet im Beisein der Eltern statt. "Mit Hilfe der Lehrer wollen wir die Jugendlichen identifizieren, die langfristig auffällig sind und möglicherweise psychologische oder psychiatrische Hilfe benötigen", sagt Kirsten Lieps, Sprecherin des Essener LVR-Klinikums. Stellt sich heraus, dass der Jugendliche tatsächlich seelische Probleme hat, können die Ärzte eine Therapie einleiten. "Die meisten Betroffenen haben erleichtert auf die Diagnose reagiert. Sie waren froh, dass ihnen die Möglichkeit einer Behandlung offensteht", sagt Lieps.

"Liegt eine Erkrankung vor, so ist es wichtig, dass diese früh diagnostiziert wird, damit man sie auch erfolgreich therapieren kann", sagt Professor Johannes Hebebrand, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie des LVR-Klinikums. Die Therapie kann dort ambulant stattfinden oder ein niedergelassener Arzt übernimmt die Behandlung.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Modell, das Schule machen sollte

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fischkuss bringt Angler fast um

Ein Hobbyfischer zieht eine kleine Seezunge aus dem Wasser. Kurz darauf steht sein Herz still – aber nicht vor lauter Anglerglück, wie Ärzte bald herausfinden. mehr »

Erste Beschwerden gegen Facebook und Google

Unmittelbar nach Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat der Verein "Noyb" erste Anzeigen gegen Google und Facebook wegen "Zwangszustimmungen" auf den Weg gebracht. mehr »

CRISPR/Cas-Methode - Zwischen Zauberwerk und Hexenkunst?

Die CRISPR/Cas-Methode könnte hohen therapeutischen Nutzen stiften. Sie lässt aber auch Allmachtsfantasien blühen. Der Ethikrat sieht dies skeptisch und fordert mehr Regulierung. mehr »