Ärzte Zeitung, 08.12.2009

Nicht jede Datensammlung ist sinnvoll

Daten von Krankenkassen reichen offenbar aus, um Sterberate bei Herzinfarkten ermitteln zu können

BERLIN (ami). Um Daten zur Qualitätssicherung zu gewinnen, reichen Erhebungen von Krankenkassen offenbar aus. Zusätzliche Dokumentationen, zum Beispiel zur Sterberate bei Herzinfarkten, erscheinen überflüssig - so ein aktuelles Forschungsergebnis.

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Bei Verdacht auf Herzinfarkt ist Eile und wenig Bürokratie gefragt.

Foto: corbis

"Routinedaten haben die gleiche Aussagekraft über die Sterblichkeit bei Herzinfarkt wie extra gesammelte Qualitätssicherungsdaten", sagte Dr. Birga Maier, Geschäftsführerin des Berliner Herzinfarktregisters (BHIR).

Das BHIR hat erstmals anonymisierte Routinedaten der Krankenkasse mit den Daten verglichen, die zusätzlich zur Qualitätssicherung erhoben werden. So ließ sich unter anderem feststellen, dass die Qualitätssicherung mit Routinedaten zumindest für bestimmte Qualitätsparameter tatsächlich funktioniert. Das ist nach Maiers Angaben bislang nicht belegt, wenngleich Projekte wie die Initiative Qualitätsmedizin (IQM), zu der sich etliche Kliniken zusammengeschlossen haben, bereits damit arbeiten.

Für eine umfassende Qualitätssicherung sind dennoch zusätzliche Erhebungen nötig. "Die Krankenkassendaten stehen unter dem Primat der Abrechnung. Prozessparameter fehlen dabei oft", so Maier. So liefern die Kassendaten im Gegensatz zu den vom BHIR erhobenen Daten keine Aussagen über Nikotinkonsum oder Koronare Herzerkrankungen als Risikofaktoren für einen Herzinfarkt. Auch Aussagen über die Zeit von der Aufnahme ins Krankenhaus bis zur Intervention oder über die Zeit, die bis zur Klinikaufnahme vergeht, lassen sich aus den Kassendaten nicht gewinnen.

Bei diesen Prozessqualitätsparametern schneidet die Hauptstadt laut Maier gut ab: Mit rund 79 Minuten zwischen Aufnahme und Intervention bleiben Berliner Kliniken unter den in Leitlinien geforderten 90 Minuten. Die Zeit vor der Klinikaufnahme liegt in der Hauptstadt im Schnitt bei über zwei Stunden. Am schnellsten geht es, wenn direkt der Notarztwagen gerufen wird. Die Medizinerin Maier empfiehlt Hausärzten daher, dass sie ihren Risikopatienten raten, direkt den Rettungsdienst zu kontaktieren, wenn sie mögliche Herzinfarkt-Symptome bei sich bemerken.

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