Ärzte Zeitung, 18.12.2009

Kassen bieten Kompetenz-Seminar für Patienten

HAMBURG (di). Ärzte müssen sich auf Patienten einstellen, die mit entscheiden wollen. Krankenkassen fördern diesen Trend.

"Versicherte wollen mündige Patienten sein", sagte Thomas Nebling von der Techniker Krankenkasse auf dem dritten Kommunikationskongress der Gesundheitswirtschaft in Hamburg.

Er verwies auf Umfragen seiner Krankenkasse, nach denen Zweidrittel der Patienten erwarten, über Vor- und Nachteile von Behandlungen vom Arzt informiert zu werden, mit ihm darüber diskutieren und schließlich mit ihm gemeinsam entscheiden zu können. Weitere 29 Prozent der Patienten wollen diese Entscheidung sogar allein treffen. Laut Befragung wollen nur sechs Prozent den Arzt allein entscheiden lassen.

Die Techniker Krankenkasse hat darauf mit der Kursreihe "Kompetent als Patient" reagiert. Mit den Schulungen sollen Menschen in die Lage versetzt werden, sich Informationen zur Gesundheit zu beschaffen und kritisch zu bewerten, sich mit Leistungserbringern auseinanderzusetzen und Qualitätsmerkmale zu erkennen. Dies beinhaltet etwa die Auseinandersetzung mit Arztbewertungsportalen und ihren Grenzen, wie etwa die geringen Bewertungszahlen.

Die noch jungen Erfahrungen mit diesen Schulungen, die unabhängig von der Kassenzugehörigkeit angeboten werden, zeigen ein Interesse besonders von Frauen um die 40 mit höherem Bildungsgrad für dieses Angebot. Auf positive Erfahrungen mit telefonischer Unterstützung von chronisch Kranken verwies Jobst Kamal von der Firma Healthways, die 40 000 Patienten in Süddeutschland im Auftrag der DAK betreut.

Die Betreuer - Krankenschwestern und Pfleger - helfen chronisch Kranken regelmäßig bei gesundheitlichen Fragen im Alltag. Sie fragen etwa nach einem Klinikeingriff den Verlauf ab, erfassen die Situation im häuslichen Umfeld, prüfen, ob die Medikation verstanden wurde und ob der Arztbrief eingetroffen ist. Die Patienten fühlen sich dadurch besser betreut und entwickeln laut Kamal eine höhere Bindung an die betreuende Kasse.

Daten aus den USA zeigten außerdem, dass die Kasse auch durch sinkende Kosten profitiert, da die Wiedereinweisungsrate bei den telefonisch betreuten Patienten sinkt.

Topics
Schlagworte
Krankenkassen (18010)
Organisationen
DAK (1650)
TK (2534)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wirkstoff zum Cannabis-Entzug

Die Blockade der Fettsäureamid-Hydrolase reduziert Symptome beim Cannabis-Entzug. Mit einem Hydrolasehemmer senkten Abstinenzwillige den Konsum um fast 70 Prozent. mehr »

Arzt und Kämpfer gegen sexuelle Gewalt

Die Gewinner der Nobelpreise haben am Montag ihre Auszeichnungen entgegengenommen. Besondere Aufmerksamkeit erlangte dabei der Arzt Denis Mukwege, Träger des Friedensnobelpreises. mehr »

TI-Anschluss verweigern und dann klagen

An den Konnektoren scheiden sich die Geister. Medi-Vorstand Dr. Werner Baumgärtner sucht jetzt die juristische Auseinandersetzung. Sein Ziel: Sicherheitslücken in den Geräten feststellen zu lassen. mehr »