Ärzte Zeitung online, 12.07.2010

Homöopathie auf Kassenkosten - da stimmt die Chemie nicht!

BERLIN (dpa). Angesichts des Finanzdrucks der Krankenversicherung ist ein hitziger Streit über Homöopathie auf Kassenkosten entbrannt. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will daran festhalten. Die CDU zeigt sich uneins. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte gefordert, gesetzlichen Kassen die Bezahlung von Homöopathie zu verbieten.

Homöopathie auf Kassenkosten - da stimmt die Chemie nicht!

Globuli auf Kassenkosten? Das erwartbare Defizit in der GKV und die Diskussion um Einsparungen haben die Debatte neu entfacht.

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"Grundsätzlich spricht nichts gegen Wahltarife, auch nicht bei der Homöopathie", sagte Rösler der "Passauer Neuen Presse". "Wenn eine Krankenkasse diesen Weg geht, kann und sollte ihr das nicht verwehrt werden." Die Allgemeinheit dürfe aber nicht belastet werden. Man werde die Wahltarife insgesamt überprüfen.

Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz (CDU) warnte vor der Streichung einzelner Leistungen. "Die Krankenkassen können wählen, ob sie ihren Mitgliedern die Homöopathie anbieten oder nicht", sagte sie am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Das sei ein Wettbewerbselement. "Wir sollten nicht immer versuchen, alles gleich zu machen." Homöopathie könne eine gute kostengünstige Ergänzung sein. Der CSU-Sozialexperte Max Straubinger nannte die Diskussion in der "Passauer Neuen Presse" fehlgeleitet: "Wir stehen für einen umfassenden Leistungskatalog."

CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn betonte in der "Bild"-Zeitung hingegen, entsprechende Wahltarife seien unter Rot-Grün eingeführt worden. "Wenn die SPD will, können wir das sofort streichen, da es keinen wissenschaftlichen Nachweis für den Nutzen gibt."

Homöopathische Mittel sind von der Erstattung in der Regel ausgeschlossen, außer eine Kasse bietet dafür Wahltarife an. Viele Kassen haben zudem Verträge mit den Ärzten abgeschlossen, die die Erstattung der Therapien möglich machen.

Grüne und Linke lehnen eine Herausnahme von Naturheilverfahren aus der Krankenversicherung ab. "Die pauschale Kritik an der Homöopathie verkennt, dass selbst die Schulmedizin in vielen Fällen auf die industrielle Nachahmung von Heilmitteln zurückgreift, die es in der Natur kostenlos gibt", sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast der "Berliner Zeitung". Grünen-Parteichefin Claudia Roth sagte, ein Verbot würde gerade Patienten treffen, die auf gesunde Lebensführung achten. Die Linke-Expertin Martina Bunge sagte, auch ganzheitliche Ansätze seien nötig.

Die Kassen verteidigten Homöopathie-Angebote. Angesichts der diskutierten Mehrausgaben für die Ärzte und Kliniken dürften jetzt nicht Leistungskürzungen für die Versicherten diskutiert werden, sagte der Sprecher ihres Verbands, Florian Lanz. "Hier beginnt eine Debatte in die völlig verkehrte Richtung zu laufen." Einer Allensbach-Studie zufolge haben 57 Prozent der Bürger schon homöopathische Mittel genommen.

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte betonte, "dass die Homöopathie in der Praxis effektiv und kostengünstig ist". Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller kritisierte Verbotsforderungen als "Oppositionspopulismus". Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie warnte vor Rationierung und einer Einheitskasse statt Wettbewerb.

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[14.07.2010, 12:02:22]
Birgit Carlsen 
Ignoranz???????????????
wenn die Mittel denn nur Placebo-Effekt haben sollen, dann frage ich mich, wieso ich bei meinen Tieren Erfolg mit Homöopathischen Mitteln habe.
Den Hund kann ich nicht beeinflussen.
Mir haben homöopathische Mittel auch schon sehr gut geholfen, mit dem Bewusstsein, das ich nicht zusätzlich Leber und Nieren bealste.
Da kann man mal sehen, wie ignorant Schulmediziner sein können. zum Beitrag »
[13.07.2010, 19:12:50]
Erika Derzbach 
Homöopathie verbieten?
Wenn, wie argumentiert, homöopathische Medikamente unwirksam seien, wie erklärt sich dann die unterschiedliche Wirkung der unterschiedlichen Präparate? Das kann nur jemand sagen, der keinerlei Erfahrung mit homöopathischer Medizin hat! Es wird allgemein verkannt, daß die Potenzierung in der Homöopathie eine Informationsübertragung auf physikalischer Ebene darstellt, die natürlich mit physikalischen Messungen, die es offenbar noch nicht gibt, festgestellt werden muß, und es sich nicht um chemische Prozesse wie in der allopathischen Pharmakologie handelt. Man kann doch Äpfel nicht mit Birnen vergleichen!? Ich fühle mich als Anwenderin naturheilkundlicher und homöopathischer Medikamente ohnehin bereits massiv diskriminiert und in meiner Entscheidungsfreiheit beeinträchtigt durch die Tatsache, daß ich mir seit der sog. "Gesundheitsreform" alle Mittel selbst kaufen muß. Die ärztlichen Leistungen übernimmt meine BKK, aber ich habe höhere Medikamentenkosten, als wenn ich die schulmedizinischen Medikamente auf Rezept bekäme. Ich möchte, daß mal anerkannt wird, wieviele Millionen ähnlich denkende Menschen ihren gesetzlichen Kassen sparen helfen durch die gesetzlich vorgeschriebene Eigenleistung. Ich kann Herrn Lauterbach überhaupt nicht verstehen, daß er Vertreter von "gesunder" und gesundmachender Medizin derart kritisiert in seinen Äußerungen. Ich fühle mich von seinen Äußerungen diskriminiert. zum Beitrag »
[13.07.2010, 12:41:52]
Dr. Mustafa Ayhan 
Reiner Placebo-Effekt
Die Homöopathie ist meiner Meinung nach eine 100%ige Placebo-Therapie die sich psychische Reaktionen zu Nutzen macht und deren Wirkungsgrad sich linear mit dem Glauben des Patienten an diese Therapieform auszeichnet.
Als Arzt mit pharmakologischer Grundausbildung ist in meinen Augen eine physiologische Wirksamkeit solcher Mittel unmöglich und man könnte an Patienten die einen Nutzen daraus ziehen genauso Traubenzuckerkügelchen geben und haette den selben Wirkungsgrad, solange der Patient die Information erhaelt immer noch das Originalpraeparat zu bekommen.
Den Nutzen aus Placeboeffekten kann man nicht leugnen, doch um davon zu profitieren braucht man nicht unnötige Ausgaben für die meiner Meinung nach überteuerten homöopathischen Mittel zu leisten und könnte diese Einsparungen für andere Zwecke einzetzen.
Leider hat die ganze Homöopathie-Sparte auch schon eine kraeftige Lobby im Gesungheitssystem und das sie sich so einfach ihre Butter vom Brot nehmen lassen ist nicht zu erwarten.
Ein Forschungsprogramm bei dem man die Praeparate ohne Wissen der Patienten gezielt mit Traubenzucker o.ä.austauscht und dabei auf eine Veraenderung der Lebensqualitaet achtet die die Patienten durch die Einname homöopathischer Praeparate gewonnen haben wird meiner Meinung nach keinerlei Einbussen seitens der Patienten ergeben und sollte mal durchgeführt werden. Anhand der Resultate aus so einem Forschungsprogramm waere dann auch ein systematischer Austausch aller Praeparate möglich ohne das Patienten einen Nachteil daraus empfinden, aber grosse Mengen an finanziellen Mitteln besser genutzt werden können.
Bei uns in der Türkei ist die Homöopathie kein anerkannter Zweig, aber es wird mit Placebos experimentiert bei denen man teilweise zu überraschend guten Ergebnissen gekommen ist.
Beides stützt auf die Selbstheilungskraft der menschlichen Psyche welche durch die unterstützende Wirkung von Homöopathie oder Placebos verstaerkt wird und keinesfalls als Alternative wegzudenken ist, nur kann man die Kosten die für homöopathische Mittel entstehen durch den Einatz von Placebos grösstenteils einsparen.

m.f.G.

Dr.med. Mustafa Ayhan zum Beitrag »

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