Ärzte Zeitung, 22.07.2010

Kinderärztin: "Arztnavigator ist eine von der Sache her gute Idee"

In Thüringen können seit Ende Mai etwa 800 000 AOK-Versicherte ihre Haus- und Fachärzte im Internet bewerten - darunter Kinderärztin Dr. Katja Langenhan.

Von Thomas Hommel

"Portal ist eine von der Sache her gute Idee"

Zeit fürs Patientengespräch? Im Internet können AOK-Versicherte ihren Ärzten Zeugnisse ausstellen.

© carlosseller/Fotolia.com

SCHMALKALDEN. In der Arztpraxis von Dr. Katja Langenhan im thüringischen Schmalkalden sind die Kleinen die Größten. Alles dreht sich um die Versorgung von Kindern und Jugendlichen und ihre typischen Krankheiten wie Masern, Windpocken, Röteln, Mumps, Keuchhusten und so weiter und so fort.

Außerdem im Leistungsspektrum der Praxis enthalten sind sämtliche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder, Impfungen inklusive Beratung, Ultraschalluntersuchungen, kindgerechte Hör- und Sehtests und vieles mehr.

Langenhan weiß, dass sie als Kinder- und Jugendärztin unter besonderer Beobachtung steht - die der begleitenden Eltern, die für ihre Kinder natürlich die allerbeste ärztliche Versorgung beanspruchen und die obendrein eine Vielzahl von Fragen zu Diagnose und Therapie haben: Ist mein Kind sehr krank? Ist die Krankheit ansteckend? Kann die Kleine in die Schule gehen? Was muss ich bei der Pflege zu Hause beachten? "Da wird schon sehr genau gefragt und hingeschaut", weiß Langenhan aus Erfahrung.

Angst vor dem Urteil ihrer Patienten und deren Eltern hat die Kinderärztin nicht. Den neuen Arztnavigator von AOK und Weisse Liste, bei dem Patienten ihre Haus- und Fachärzte im Internet bewerten und weiterempfehlen können, stuft die Kinderärztin jedenfalls als "eine von der Sache her gute Idee" ein.

Dinge, die auf der Seite kritisch bewertet würden - im Falle einer Kinderarztpraxis von den Eltern der Patienten - ließen sich anschließend gut für das interne Qualitätsmanagement nutzen, sagt Langenhan. "Die Frage etwa, ob sich die Terminvergabe verbessern lässt oder ob man im Wartezimmer etwas schöner gestalten kann." Aus diesen und anderen Dingen ließen sich viele positive Ansätze für das eigene Qualitätsmanagement ableiten.

Einen weiteren Vorteil des Arztnavigators von AOK und Weisse Liste sieht Langenhan darin, dass Eltern, die auf der Suche nach einer geeigneten Kinderarztpraxis in ihrer Nähe sind, diese schneller finden können. Dies soll ab Herbst 2010 möglich sein, wenn die Ergebnisse - zunächst für die drei Pilotregionen - veröffentlicht werden.

Wichtig ist der Ärztin, dass es bei der Zeugnisvergabe an Haus- und Fachärzte jederzeit fair zugeht. "Es darf zu keinen Verzerrungen oder unfairen Bewertungen einer Praxis kommen", unterstreicht Langenhan. Fühle sich ein Arzt ungerecht beurteilt, müsse ihm die Möglichkeit eingeräumt werden, "Rücksprache mit der Krankenkasse zu halten".

Dass das Portal komplett auf Freitextfelder verzichtet, findet Langenhan konsequent. "Unsachgemäßer Schmähkritik wird so von vornherein der Hahn zugedreht", sagt sie. Außerdem müsse sichergestellt sein, dass über das Portal keine Dinge an die Außenwelt dringen, die nur den Arzt und seinen Patienten etwas angehen. "Alles andere zerstört das Arzt-Patienten-Verhältnis."

Seien diese Voraussetzungen gegeben, werde die Online-Arztsuche von AOK und Weisse Liste schnell "Schule machen", glaubt Langenhan. So gesehen müssten sich auch die Ärzte "perspektivisch" damit auseinandersetzen, dass sich Patienten und deren Angehörige im Internet darüber informieren, welche Ärzte von anderen Patienten empfohlen werden - und welche nicht.

Anderer Fragebogen für Kinderarztpraxen

In drei Pilotregionen - Berlin, Hamburg, Thüringen - können derzeit rund zwei Millionen AOK-Versicherte ihre Ärzte online bewerten. Das Portal - entwickelt von AOK und Weisse Liste - soll die Arztsuche erleichtern. Eine Kinderarztpraxis unterliegt anderen "Gesetzen": Hier stimmen die Eltern ab. Daher wurde eine spezielle Version des Fragebogens für Pädiater entwickelt. Er wird im Portal automatisch eingespielt, wenn der Patient einen Kinderarzt zur Beurteilung auswählt. Einige Fragen sind anders gestellt oder zusätzlich eingefügt - so etwa die Frage, ob das Praxispersonal "geduldig und einfühlsam mit Kindern umgeht". (eb)

Arztnavigator für eigene Praxis nutzen

"Ärzte und Praxisteams erhalten über den Arztnavigator auf Basis der Weissen Liste eine faire, seriöse und methodisch fundierte Rückmeldung", versprechen die Initiatoren der Online-Arztsuche. Praxischefs könnten die Ergebnisse sowohl für das interne Qualitätsmanagement als auch für eine positive Außendarstellung nutzen.

 

Voraussetzung ist allerdings, dass eine ausreichende Zahl von Bewertungen vorliegt. Praxen, die ihre Patienten auf die Befragung aufmerksam machen, erhalten Flyer und Plakate zum Arztnavigator über die beteiligten AOKs in Berlin, Hamburg und Thüringen oder können sie über folgende Servicenummern ordern:

0331/2772-25000 (Berlin); 040/2023-43 00 (Hamburg) oder 01802/ 471000 (Thüringen). (eb)

eResult testet Nutzerfreundlichkeit

Im Auftrag von AOK und Weisse Liste hat die Firma eResult im Labor die Nutzerfreundlichkeit des Befragungsportals getestet.

Mit verschiedenen Methoden - unter anderem durch Einzelinterviews mit Nutzern - wurde das Portal überprüft und weiter optimiert. "Der Nutzertest des Prototypen zur Anwendung zeigte, dass die Bedienung des innovativen Befragungsformulars funktioniert und gut verstanden wird", fasst Christoph Anders, User Experience Consultant und Studienleiter bei eResult, das Ergebnis zusammen. Das Befragungsportal sei "intuitiv und effizient bedienbar" und habe allen "Spaß" gemacht. (eb)

Lesen Sie dazu auch:
Arztnavi im Labortest - "einfach, logisch, problemlos"

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