Ärzte Zeitung online, 30.07.2010

Bundesregierung lehnt volle Erstattung von IvF ab

BERLIN (nös/dpa). Klare Absage aus Berlin: Die Bundesregierung stellt sich gegen die Forderung des Bundesrates nach einer vollständigen Bezahlung der künstlichen Befruchtung (IvF) auf Kassenkosten.

Bundesregierung lehnt volle Erstattung von IvF ab

Auch die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) soll weiterhin nur zur Hälfte von den Kassen bezahlt werden.

© epd

Die Länderkammer hatte im April auf Initiative von Thüringen, Sachsen und dem Saarland eine entsprechende Gesetzesänderung gefordert. Danach sollten die Krankenkassen künftig wieder vollständig für die IvF aufkommen. 2004 war die Erstattungsfähigkeit im Rahmen des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (GMG) auf die Hälfte der Kosten begrenzt worden.

In ihrer Stellungnahme wiegelt die schwarz-gelbe Koalition die Bundesrats-Forderung mit den Worten ab: "Eine Wiedereinführung der vollständigen Finanzierung ist derzeit nicht geplant."

Die künstliche Befruchtung sei zudem eine versicherungsfremde Leistung. Mit den Einschränkungen durch das GMG habe man ein Ausufern dieser Leistungen verhindern wollen.

Der Ball liegt nun wieder im Spielfeld der Länder. Die Bundesregierung weist in ihrer Antwort darauf hin, dass es den Ländern unbenommen bleibe, die IvF zu fördern. Sachsen ist bisher das einzige Bundesland, das die künstliche Befruchtung finanziell unterstützt.

In der "Saarbrücker Zeitung" sagte der saarländische Gesundheitsminister Georg Weisweiler (FDP), er werde einen erneuten Vorstoß im nächsten Jahr prüfen. Das sächsische Gesundheitsministerium betonte in dem Blatt, man werde in allen zuständigen Ministerkonferenzen weiter werben.

Seit die Behandlung für die gesetzlich Krankenversicherten um mehrere tausend Euro teurer wurde, ist deren Zahl bundesweit um bis zu 50 Prozent eingebrochen. Die Kassen übernehmen nur noch die Hälfte der Behandlungskosten für maximal drei Behandlungen. Die Kosten betragen im Schnitt 3200 Euro pro Behandlungszyklus - mit einem Eigenanteil von etwa 1600 Euro für die Paare pro Behandlung. Bei der vierten Behandlung muss der volle Preis allein bezahlt werden.

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