Ärzte Zeitung online, 10.08.2010

Patientenquittung nur ein Sommerloch-Thema?

DORTMUND (iss). Mit der jedes Jahr aufs Neue erhobenen Forderung nach Quittungen für Arztbesuche würden Politiker und Krankenkassen vor allem eins erreichen: eine Verunsicherung der schwer kranken Patienten. Davon geht Dr. Wolfgang-Axel Dryden aus, zweiter Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL).

Patientenquittung nur ein Sommerloch-Thema?

Ein Sommerloch-Thema, das wenig bringt, moniert KVWL-Vize Dr. Wolfgang-Axel Dryden die Diskussion um Patientenquittungen.

© Pankraz / fotolia.com

"Ich würde mich dagegen wehren, einem Krebskranken ein schlechtes Gewissen zu machen, weil er für 10 000 Euro Arzneimittel im Quartal benötigt", sagt Dryden. Das erhoffte Ziel einer Patientenquittung, bei den Versicherten ein höheres Kostenbewusstsein zu erreichen, müsste bei den schwer Kranken ins Leere laufen. Bei den anderen, also dem Gros der Patienten, würde eher das Gegenteil erreicht, wenn sie sehen würden, wie wenig Honorar die Ärzte für die meisten Leistungen erhalten, erwartet er.

Grundsätzlich bräuchten die Niedergelassenen die mit der Quittung geschaffene vermeintliche Transparenz nicht zu befürchten, sagt Dryden. Der damit verbundene bürokratische Aufwand sei aber enorm. Schließlich gebe es allein in Westfalen-Lippe zehn Millionen Behandlungsfälle pro Jahr.

"Die Patientenquittung ist ein Sommerloch-Thema, das wenig bringt", betont der Allgemeinmediziner. Schließlich habe es schon eine Reihe von Modellversuchen dazu gegeben, die aber alle ins Leere gelaufen seien. Nach Paragraf 305 Sozialgesetzbuch V hätten gesetzlich Versicherte schon länger die Möglichkeit, von ihrer Kasse oder dem Arzt eine Auflistung der erbrachten Leistungen und ihrer Kosten zu verlangen. Die Patienten hätten daran aber kein Interesse. "In meiner Praxis ist noch nie eine einzige Quittung ausgegeben worden", berichtet er.

Wenn man der Patientenquittung zu einer größeren Verbreitung verhelfen wolle, müsse man den Wahltarif zur Kostenerstattung erleichtern, sagt KVWL-Chef Dr. Ulrich Thamer. Er begrüßt einen entsprechenden Vorschlag von Staatssekretär Daniel Bahr. "Zur Kostenerstattung gehört eine Quittung." Ein solches Verfahren sei praktikabler als die generelle Ausgabe einer solchen Bescheinigung, so Thamer.

[11.08.2010, 14:14:19]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
„Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern. Werch ein Illtum“ (Erst Jandl)
Lieber Kollege Dryden,
Sie haben da etwas verwechselt oder evtl. nicht zugehört: Die Patientenquittung nach § 305 SGB V bezieht sich niemals auf verbrauchte Medikamentenkosten pro Patient! Sondern ausschließlich auf fiktive ärztliche Behandlungskosten im Quartal, wie Sie als 2. KVWL-Vorsitzender vielleicht wissen sollten. Wollen Sie uns etwa vergessen machen, dass unsere Abrechnung mehr als 6 Monate n a c h Leistungserbringung erfolgt? Dass erst dann ein Punktwert festgelegt wird, nachdem wir alle eine Behandlungs- p a u s c h a l e (RLV) pro Patient und pro Quartal bekommen, u n a b h ä n g i g vom jeweiligen Diagnostik- und Therapieaufwand bzw. der Konsultationsfrequenz? Und dass diese als hausärztliche Regelleistungsvergütung (RLV) in der KVWL unter 25 Euro beträgt?

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) auch in Form von Herrn Kollegen Thamer macht eher uns Vertragsärzten ein schlechtes Gewissen, dass wir weiterhin für derartig erbärmliche Bedingungen bereit sind, unseren Dienst am Patienten unbeirrt zu leisten. Und wenn Sie ein Sommerloch füllen wollen, dann bitte mit einem anständigen und fairen Hausarztvertrag, zu dem der Hausärzteverband auch ein Mandat besitzt, und nicht mit einem kümmerlichen Kostenerstattungs-Wahltarif a la FDP, welcher schon seit Jahrzehnten gefordert aber in der GKV auch rein rechtlich nicht durchsetzbar ist. Oder wollen Sie noch nachts Einzel-Rechnungen zum 1-fachen Satz für Ihre Patienten (Hochbetagte, Rentner ,gestresste Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bzw. Familien mit Kindern) schreiben?

Mit kollegialen Grüßen Thomas G. Schätzler FA für Allgemeinmedizin DO
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