Ärzte Zeitung online, 27.09.2010

Kasse muss Magen-Bypass nur als Ultima-Ratio zahlen

MAINZ (dpa). Krankenkassen müssen für die Kosten einer Magenverkleinerung nur dann aufkommen, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind. Das entschied jüngst das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz im Fall einer stark übergewichtigen Frau.

Kasse muss Magen-Bypass nur als Ultima-Ratio zahlen

Adipositas-Chirurgie im Extremfall (hier rund 350 Kilogramm Körpergewicht) - für die Kosten eines Magen-Bypass muss die Kasse aber erst nach vorangegangenen Therapien aufkommen.

© Professor Rudolf Weiner

Konkret verlangen die Mainzer Richter eine wenigstens sechs- bis zwölfmonatige Vorbehandlung. Diese könne etwa die Ernährungsberatung und Ernährungsumstellung beinhalten. Erst wenn die Frau dann kein Gewicht verloren habe, komme ein chirurgischer Eingriff zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung überhaupt infrage.

Das Gericht hob mit seinem Urteil eine gegenteilige vorinstanzliche Entscheidung des Sozialgerichts Trier auf und wies die Klage der 1986 geborenen Versicherten ab. Die Frau hatte von ihrer Krankenkasse die Kostenübernahme für eine Magenbypass-Op in Höhe von knapp 5400 Euro verlangt.

Die Klägerin hatte vor Gericht geltend gemacht, dass alle bisherigen Versuche, ihr erhebliches Übergewicht zu verringern, erfolglos geblieben seien. Die Patientin wog zum damaligen Zeitpunkt 115 Kilogramm bei 171 Zentimetern Körpergröße.

Zwar sei starkes Übergewicht eine Krankheit, urteilten die Richter. Die Klägerin habe aber noch nicht alle Behandlungsmethoden ausgeschöpft. Als unerheblich werteten die Richter den Einwand der Frau, die Krankenkasse habe sie bisher unzureichend beraten. Die Krankenkassen seien nicht verpflichtet, ungefragt auf qualifizierte Therapiemöglichkeiten hinzuweisen.

Urteil des LSG Rheinland-Pfalz, Az.: L 5 KR 101/10

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