Ärzte Zeitung, 13.10.2010

Der Weg zur Bürgerversicherung ist vermint

BERLIN (hom). Die Ansage von Sigmar Gabriel war eindeutig: Gewinnt Rot-Grün die Bundestagswahl 2013, kommt die Bürgerversicherung, tönte der SPD-Chef erst kürzlich. Doch der Weg hin zu einer Krankenversicherung nach dem Prinzip "Eine von allen für alle" ist steinig - und lang.

Schon jetzt fahren die Gegner des Modells schwere Geschütze auf: Die Bürgerversicherung leiste keinen Beitrag zur Senkung der Lohnnebenkosten und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Die Anbindung der Gesundheits- an die Arbeitskosten bleibe bestehen.

Auch das Versprechen, durch Einführung der Bürgerversicherung ließen sich Beiträge senken, sei pure Illusion. Zu Entlastungen komme es, wenn überhaupt, erst in Jahrzehnten. Kurzfristig drohten sogar höhere Beiträge, da ältere und kranke Privatversicherte zu den gesetzlichen Kassen zurückkehrten und sich dadurch Leistungsansprüche und Ausgaben erhöhten.

Obendrein entpuppe sich das Modell als kapitalfeindlich und verfassungsrechtlich fragwürdig: Anleger würden ins Ausland flüchten, um ihr Geld vor dem Zugriff der Kassen zu schützen. Den Privatversicherern das Recht auf Neukunden zu verweigern, würde nur dazu führen, dass diese den Weg vor das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe antreten würden.

Die Chancen, dass sie dort obsiegen, dürften nicht schlecht stehen: Erst vor einem Jahr haben Deutschlands oberste Verfassungshüter der PKV Bestandsschutz erteilt.

Lesen Sie dazu auch:
Opposition setzt weiter auf die Bürgerversicherung
Lauterbach: "Unser Modell wird kein alter Wein in neuen Schläuchen sein"
Der Weg zur Bürgerversicherung ist vermint
Mehrheit der Bürger plädiert für Bürgerversicherung

Topics
Schlagworte
Krankenkassen (17624)
Personen
Sigmar Gabriel (101)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nicht immer geht's sofort zum Arzt

20- bis 50-jährige Patienten in Deutschland sind offenbar leidensfähig. Denn sie verschieben den Arztbesuch oft um Wochen oder Jahre, obwohl sie Beschwerden haben. mehr »

Zusätzliche Vergütung für offene Sprechstunden

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Ärzte für offene Sprechstunden besser bezahlen. Die zusätzliche Vergütung soll für bestimmte Arztgruppen eingeführt werden. mehr »

Bei Meniskusriss nicht vorschnell operieren

Ärzte sollten bei Meniskusrissen nicht gleich eine arthroskopische Operation einleiten. Oft kommen Betroffene auch mit Gymnastik und Physiotherapie zum Ziel. mehr »