Ärzte Zeitung online, 02.11.2010

Zahnärzte rebellieren gegen Budgets

Bundesweit wollen die Zahnärzte die Termine ihrer gesetzlich versicherten Patienten auf das kommende Jahr verschieben. Der Grund: Die Budgets seien aufgebraucht. Nun sehen sich die Zahnmediziner harschen Reaktionen ausgesetzt.

Keine Zahnarzt-Termine bis Jahresende?

Termin beim Zahnarzt: Nach Medienberichten, versuchen viele Ärzte offenbar neue Termine ins nächste Jahr zu schieben.

© dpa

BERLIN (eb/hom). "Keine Termine mehr beim Zahnarzt", schrieb die "Bild" am Dienstag. Viele Zahnärzte würden Behandlungen auf 2011 verschieben. Das Blatt zitiert den Chef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Dr. Jürgen Fedderwitz: "In fast allen Bundesländern müssen gesetzlich Versicherte bei bestimmten Kassen mit Einschränkungen rechnen."

Als Grund gab die Zeitung an, dass die Budgets der Zahnärzte aufgebraucht seien. Viele Praxen arbeiteten bereits nicht mehr deckend. Bis zum Jahresende würden nun noch Notfälle behandelt, wie etwa akute Zahnschmerzen.

Betroffen seien davon vor allem Versicherte der AOK Berlin und Brandenburg sowie die Bundesknappschaft in Bayern. Auch der größte Teil der IKK-Versicherten müsse damit rechnen, in diesem Jahr keine Termine mehr zu erhalten.

In einer Stellungnahme der KZBV hieß es, für Bayern seien Puffertage eingerichtet. Versicherte der betroffenen Kassen würden bis zum Jahresende nur noch unbedingt notwendige zahnärztliche Leistungen erhalten. Auch Vorsorgeleistungen würden in diesem Zeitraum gestrichen. "Da kann es mit dem Stempel für das Bonusheft schon eng werden", sagte Fedderwitz der Nachrichtenagentur dpa.

Das Bundesgesundheitsministerium reagierte mit Unverständnis auf die Ankündigung der KZBV. Alle Kassenzahnärzte seien verpflichtet, ihre Patienten zu behandeln, sagte Gesundheitsstaatssekretär Daniel Bahr (FDP). Es sei die gesetzliche Aufgabe der KZVen, dies sicherzustellen. Werde eine Behandlung verweigert, sollten sich die Versicherten an ihre Kasse oder die Sozialministerien wenden.

CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn zeigte sich verärgert: "Ich habe null Verständnis für diese Aktion." Vieles sei für die Zahnärzte geregelt worden. So sei die strenge Bedarfsplanung weggefallen, die Altersgrenze von 68 Jahren aufgehoben worden, und nun würden die Löhne in Ost und West angeglichen.

Die AOK als eine der betroffenen Kassen betonte: "Termine für planbare Behandlungen werden schon immer mittelfristig von Zahnärzten vergeben." Doch die aktuellen Ankündigungen seien ein Fall für die Aufsichtsbehörden. "Vertragszahnärzte sind verpflichtet, Patienten zu behandeln und dürfen nicht streiken", sagte AOK-Sprecher Udo Barske.

Der Gesundheitsexperte der Verbraucherzentralen, Stefan Etgeton, sagte der dpa: "Wenn Patienten ihr Bonusheft nicht mehr führen können, kann das erhebliche finanzielle Konsequenzen haben." Die Mediziner müssten ihrem Auftrag nachkommen, die Versorgung zu sichern.

Auch der GKV-Spitzenverband reagierte mit Unmut auf die Ankündung: "Es kann nicht sein, dass Zahnärzte ihre internen Verteilungsprobleme auf dem Rücken der Patienten austragen", teilte Verbandssprecherin Ann Marini mit.

Das Geld, das die Kassen an die KZVen überweisen, sei ausreichend. "Offenbar versagt jedoch das interne Verteilungsmanagement innerhalb der Zahnärzteschaft."

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