Ärzte Zeitung, 04.11.2010

"Wir haben viel Last auf unseren Schultern"

Ärzte klagen über zu viel Bürokratie und zu wenig Transparenz bei der Honorierung. Minister Philipp Rösler stellt sich der Kritik und verspricht Besserung.

Von Sunna Gieseke

"Wir haben viel Last auf unseren Schultern"

Fragen Sie Ihren Arzt und Minister: Gesundheitsminister Philipp Rösler stellte sich in der Charité der Kritik von Ärzten und Medizinstudenten.

© Spangemacher

BERLIN. Der Hörsaal in der Berliner Charité platzt aus allen Nähten. Die Zuhörer - vornehmlich Studenten - müssen sich auch auf den Treppen und Geländern Plätze suchen. Keine normale Medizinvorlesung steht am Dienstagabend auf der Tagesordnung. Stattdessen stellt sich Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) in der Diskussionsrunde "Medizin trifft Politik" den bohrenden Fragen der anwesenden Studenten sowie von Ärzten aus Klinik und Praxis. Man merkt, es macht ihm deutlich Spaß.

Doch schnell wird klar: Den Ärzten liegt besonders ein Thema auf dem Herzen - der Abbau von Bürokratie. Der Unmut über die vielen Formulare, die jeden Tag ausgefüllt werden müssen, ist groß: "Wir wollen endlich mehr Zeit für unsere Patienten haben", fordert die Berliner Hausärztin Beate Mälzer. Eine Forderung, die Rösler durchaus nachvollziehen kann. Er sieht allerdings auch Kassenärztliche Vereinigungen und Kassen in der Verantwortung, Bürokratie abzubauen. Doch so schnell wollte die Hausärztin mit ihrer Kritik nicht locker lassen: Die Honorierung der Ärzte müsse endlich transparenter werden. "Wir haben viel Last auf unseren Schultern", schimpfte Mälzer. Schließlich seien Ärzte für ihre Mitarbeiter verantwortlich, wüssten aber erst vier Monate nach Quartalsende, was tatsächlich auf dem eigenen Konto lande. Rösler konterte souverän: Für das nächste Jahr sei bereits eine umfassende Honorarreform geplant. Seine kurze Prognose für die dazu anstehenden Verhandlungen: "Das wird nicht lustig."

In einem Aspekt stimmt der Minister den Ärzten zu: Der Arztberuf müsse gerade angesichts des Ärztemangels attraktiver werden. Es sei wichtig, mehr junge Menschen dazu zu motivieren,den Arztberuf zu ergreifen. Und dass es einen Ärztemangel gibt, hätten inzwischen auch die meisten begriffen. "Nur die Kassen noch nicht. Doch die haben wir spätestens in einem Jahr auch soweit", gibt sich Rösler selbstbewusst.

Die Diskussion ging jedoch an den Interessen der anwesenden Studenten komplett vorbei. "Alle reden über den Ärztemangel. Redet über uns!", fordert ein junger Mediziner. Für viele Studenten ein Paradoxon: Medien sind voll mit Berichten über fehlende Ärzte, gleichzeitig gibt es zu wenig Medizinstudienplätze und nicht jeder, der möchte, kann Arzt werden. Zudem fühlen sich die Studenten durchs Studium nicht ausreichend auf die Anforderungen im Arztberuf vorbereitet. Katharina Hofheinz, Medizinstudentin im 7. Semester, kritisierte, dass im Studium nicht vermittelt wird, wie schwierige Gespräche mit Patienten geführt werden. Rösler machte wenig Hoffnung auf Veränderung: Die aktuelle Approbationsordnung ist seit 2002 gültig und wird erst einmal nicht geändert.

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