Ärzte Zeitung, 25.11.2010

Alles vorbei - zwei AOKen scheitern mit ihren Fusionsplänen

Mit etwa 4,2 Millionen Versicherten wäre die viertgrößte deutsche Kasse entstanden. Doch daraus wird nichts. Die Fusion von AOK plus und AOK Hessen ist geplatzt.

Alles vorbei - zwei AOKen scheitern mit ihren Fusionsplänen

AOK Plus: keine Fusion mit der hessischen AOK-Schwester.

© dpa

ERFURT. (rbü). Kurz vor Schluss wurde der AOK Plus für Sachsen und Thüringen die Fusion mit der AOK Hessen doch zu riskant. Ursprünglich sollten die beiden Kassen laut einem im Juni beschlossenen Vertrag bereits im kommenden Januar verschmolzen sein.

Jetzt hat der Verwaltungsrat der AOK Plus überraschend die Reißleine gezogen und die Verhandlungen für beendet erklärt (wie bereits berichtet). Als Ursache nannte ein Sprecher "veränderte Rahmenbedingungen" und dass die mit der Fusion angestrebten Ziele zeitnah nicht mehr erreichbar seien. Details nannte er nicht.

Allerdings hatte AOK-Vorstand Viktor Bernecker schon vor wenigen Wochen von "Sand im Getriebe" der Verhandlungen gesprochen und Probleme mit den Pensionslasten der hessischen AOK-Mitarbeiter eingeräumt.

Nach Informationen der "Ärzte Zeitung" summieren sich die Pensionsansprüche auf rund 700 Millionen Euro. Auch die sächsische Regierung soll vor den Finanzlasten gewarnt haben.

Dabei hieß es ursprünglich, dem Fusionsbeschluss sei eine "gewissenhafte Prüfung der finanziellen, organisatorischen und personellen Bedingungen" vorangegangen. Steffen Lemme, Verwaltungsrat und Bundestagsabgeordneter, kritisiert, die Probleme seien "lange ausgeblendet worden".

Auch unter Berücksichtigung der Beitragssatzerhöhung habe man neu nachrechnen müssen. "Unter diesen Bedingungen hätte die Fusion erst in 10 bis 15 Jahren etwas gebracht", sagt Lemme.

Kritik entzündete sich zudem an den Plänen, neben Dresden als Hauptsitz der neuen Kasse auch die Standorte in Hessen und Thüringen zu erhalten. Ein Sprecher der AOK Hessen bedauerte das Aus der Fusion, "trotz verbesserter Rahmenbedingungen". Die AOK Hessen sei finanziell solide aufgestellt und werde im kommenden Jahr keinen Zusatzbeitrag erheben.

Lesen Sie dazu auch:
AOK Plus sagt Großfusion ab

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