Ärzte Zeitung online, 01.02.2011

Deutschland ist Weltmeister bei MRT-Untersuchungen

CT und MRT - beide bildgebende Verfahren kommen in Deutschland immer häufiger zum Einsatz. Bei der Magnetresonanztomografie belegt die Bundesrepublik sogar einen internationalen Spitzenplatz. Die Barmer GEK warnt anlässlich der Vorstellung dieser Zahlen vor "ineffizienten Parallelstrukturen".

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MRT am Klinikum Großhadern: Deutschland ist weltweit Spitzenreiter bei der Zahl der Untersuchung.

© Reinhard Kurzendörfer / imago

BERLIN (hom). Einer aktuellen Untersuchung der Barmer GEK zufolge kommen in deutschen Praxen und Kliniken bildgebende Diagnoseverfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT) immer häufiger zum Einsatz.

Laut dem "Arztreport 2011" der Krankenkasse, der an diesem Dienstag in Berlin vorgestellt wird, wurde im Jahr 2009 etwa jeder achte Bundesbürger mit einem der beiden Diagnoseverfahren untersucht.

Insgesamt stieg die Zahl der Personen mit mindestens einer CT-Untersuchung in den Jahren 2004 bis 2009 um 26 Prozent und die Zahl der Personen mit mindestens einer MRT-Untersuchung um 41 Prozent.

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Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit knapp 100 MRT-Untersuchungen je 1000 Einwohner derzeit sogar an der Spitze. Nur in den USA werden ähnlich viele Menschen in einem MRT zwecks genauerer Diagnose durchleuchtet.

Der Vorstandsvize der Barmer GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stufte die steigende Zahl von CT- und MRT-Untersuchungen als Ausdruck der "Leistungsfähigkeit" der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ein.

"Unsere Versicherten profitieren vom medizinischen Fortschritt." Der Verdacht, die GKV sei ein "Hemmschuh für Innovationen", erweise sich als "unbegründet".

Mit dem Einsatz moderner bildgebender Diagnoseverfahren seien jedoch auch hohe Ausgaben für die Krankenkassen verbunden, betonte Schlenker. Die jährlich anfallenden Kosten für CT- und MRT-Untersuchungen liefen bereits auf "die Zwei-Milliarden-Grenze" zu. Im ambulant ärztlichen Bereich machten sie heute schon mehr als drei Prozent der Gesamtvergütung aus.

Angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung sei mit einer "Fallzahlreduktion" und damit der Kosten nicht zu rechnen. Um die Ausgaben im Zaun halten zu können, sei der "gezielte Einsatz" von CT- wie auch MRT-Untersuchungen nötig, sagte Schlenker.

"Wir dürfen diese Medizintechnik nicht nur einsetzen, weil sie modern ist. Jede Diagnostik muss auch zu therapeutischen Entscheidungen führen." Dies gelte auch angesichts der Tatsache, das die CT-Nutzung eine "zunehmende Strahlenbelastung" nach sich ziehe.

Grundsätzlich dränge sich mit Blick auf den Einsatz von CT und MRT die Frage auf, ob deren breite Anwendung sowohl im ambulanten wie auch im stationären Bereich am Ende nicht zu "ineffizienten Parallelstrukturen" führe.

"Hier wird teure Medizintechnik in der Praxis und im Krankenhaus vorgehalten, Anschaffung, Betrieb und Wartung kosten viel Geld." Sinnvoller sei daher der gemeinsame Betrieb der teuren Apparatur in Form eines "Diagnostischen Zentrums" durch Krankenhaus und Betriebsarzt.

Vereinzelt existierten solche Versorgungszentren und Betreibergesellschaften bereits, betonte Schlenker. "Patienten werden hier fast rund um die Uhr untersucht."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Zu viel teure Diagnostik?

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