Ärzte Zeitung, 02.02.2011

Kommentar

Ehrgeizige Physiotherapeuten

Von Ilse Schlingensiepen

Das werden sicher nicht alle Ärzte gern hören: In einem Modellversuch wollen Physiotherapeuten den Beweis antreten, dass sie die Patientenversorgung verbessern können, wenn sie autonomer werden.

In dem Vorhaben brauchen die Patienten zwar nach wie vor eine ärztliche Verordnung. Der Physiotherapeut kann aber nach Anamnese und Befunderhebung Auswahl, Dauer und Frequenz der Behandlung selbst festlegen.

Der Modellversuch ist ein Schritt auf dem Ziel der Physiotherapeuten, dass Patienten direkt zu ihnen kommen können, ohne zuerst einen Arzt aufsuchen zu müssen.

Die Mediziner sollten in Ruhe abwarten, was die wissenschaftliche Evaluation des Projekts ergibt. Möglichkeit eins: Die Therapeuten scheitern mit ihrem ehrgeizigen Vorhaben. Dann erhalten alle weiteren Autonomiebestrebungen einen kräftigen Dämpfer.

Möglichkeit zwei: Die Unabhängigkeit von ärztlichen Vorgaben verbessert tatsächlich die physiotherapeutische Behandlungsqualität und senkt gleichzeitig die Kosten.

Dann kommen diejenigen Ärzte in Argumentationsnot, die eine größere Unabhängigkeit der Berufsgruppe ablehnen. Mit Blick auf die bessere Versorgung sollten sie das aber verschmerzen können.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Modell: Krankengymnasten dürfen von Verordnung abweichen

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