Ärzte Zeitung online, 09.02.2011

Pflegekosten: VdK schielt auf Rücklagen der Privaten

BERLIN (hom). Der Sozialverband Deutschlands VdK sich für eine grundlegende Neuausrichtung der Pflegefinanzen ausgesprochen.

Pflegekosten: VdK schielt auf Rücklagen der Privaten

VdK-Präsidentin Mascher: Rücklagen der privaten Pflegeversicherung in einen Solidarausgleich überführen.

© AOK-Bundesverband

"Wir fordern die Bundesregierung auf, die Rücklagen der privaten Pflegeversicherung in Höhe von circa 19 Milliarden Euro in einen Solidarausgleich zur Finanzierung zusätzlicher Pflegeleistungen für alle gesetzlich und privat Pflegeversicherten einfließen zu lassen", sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher zum Start einer bundesweiten Pflegekampagne des Verbands am Mittwoch in Berlin. Diese steht unter dem Motto "Pflege geht jeden an".

Die Einführung einer obligatorischen kapitalgedeckten Pflegezusatzversicherung, wie sie insbesondere von der FDP sowie Arbeitgeberverbänden favorisiert wird, lehnt der VdK ab.

Mit der Einführung der Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung sei den gesetzlich Versicherten schon genug zugemutet worden, sagte Mascher.

Der notwendige Sozialausgleich für Geringverdiener sei auch bei der Pflege "kompliziert und bürokratisch". Die Arbeitgeber würden zudem "einmal mehr ein Stück weit aus der Verantwortung entlassen", kritisierte Mascher.

Um einen nennenswerten Betrag zur Absicherung von Pflegebedürftigkeit ansparen zu können, müssten "jahrzehntelang" beträchtliche Summen in eine private Zusatzversicherung einbezahlt werden.

"Es ist mir unverständlich, wie man angesichts der letzten Finanzkrise noch auf Kapitaldeckung zur Finanzierung eines allgemeinen Lebensrisikos setzen kann. Schon heute müssen viele Lebensversicherer ihre Zinsversprechen von Jahr zu Jahr nach unten korrigieren."

Statt die "Entsolidarisierung der sozialen Sicherungssysteme" voranzutreiben, müssen die Ressourcen des Systems genutzt werden, forderte die VdK-Präsidentin.

Auch Vertreter der Pflegekassen hatten sich zuletzt dafür ausgesprochen, die Finanzierung steigender Leistungsansprüche in der Pflege über einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung sicherzustellen. Dieser liegt derzeit bei 1,95 Prozent.

Der Chef des Anbieterverbands bpa, Bernd Meurer, forderte ebenfalls eine Anhebung des Beitragssatzes. Nur so ließen sich die durch eine wachsende Zahl von Demenzkranken verursachten Pflegekosten auffangen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »