Ärzte Zeitung, 26.04.2011

Südwesten: Appell für Mindestmengen bei Frühgeburten

STUTTGART (mm). In einem gemeinsamen Appell haben Ärzte, Eltern und die Techniker Krankenkasse (TK) in Baden-Württemberg an Politiker appelliert, bei der Versorgung von Frühgeborenen allein medizinische Kriterien gelten zu lassen.

Über 500 Kinder kommen pro Jahr in Baden-Württemberg mit einem Gewicht unter 1000 Gramm auf die Welt, Tendenz steigend. Unterzeichnet wurde der Appell unter anderem von Chefärzten der geburtsmedizinischen Abteilungen in den Unikliniken Ulm, Heidelberg, Tübingen und Mannheim.

Er richtet sich gegen den Protest von kleineren Geburtskliniken. Diese wehren sich massiv gegen eine Richtlinie, die solche Geburten auf Kliniken begrenzen will, die mindestens 30 Frühchen in dieser Gewichtsklasse pro Jahr vorweisen können. Elf Kliniken aus Baden-Württemberg haben gegen diese Vorschrift geklagt und vom Landessozialgericht Berlin/Brandenburg Recht bekommen.

Nach dem vorläufigen Scheitern dieser Vorgabe sehen die Unterzeichner des Appells die Gefahr, dass bei der Geburt von Frühchen zu wenig darauf geachtet wird, wie viel Erfahrung die jeweilige Geburtsstation mit der Versorgung dieser Kinder hat.

"In Baden-Württemberg gibt es ausreichend Geburtszentren mit großer Erfahrung und Routine im Umgang mit dieser medizinischen Extremsituation", so TK-Landeschef Andreas Vogt.

[28.04.2011, 22:50:15]
Prof. Dr. Volker von Loewenich 
Kampf kleiner gegen große perinatalmedizinische Einrichtungen.
Angeführt wurde eine Veröffentlichung, in der festgesellt wurde, daß die Überlebensraten sehr kleiner Frühgeborener in kleinen Häusern besser sei als in den großen Zentren. Es war für diese Publikation dem Internet entnommen worden, wie hoch die Sterblichkeit sehr kleiner Frühgeborener war bezogen auf das diese Kinder entlassende Haus, entlassen tot oder lebend.
Sehr unreife Frühgeborene kamen fast nur in den Zentren zur Welt. So soll es ja auch sein. Konnten diese sehr unreifen Frühgeborenen erfolgreich behandelt werden, dann wurden sie in wohnort-nahe kleinere Häuser verlegt. Dort starben dann nur noch sehr wenige Kinder, denn schwerkranke wurden begreiflicherweise nicht verlegt. Kleine Häuser konnten daher sehr gute Überlebensraten ins Netz stellen, denn die Todesfälle ereigneten sich mehrheitlich in den Zentren. Die Kinder wurden aber dort gezählt, von wo sie nach Hause entlassen wurden. Daher konnten kleine Häuser sich (Schein-)Verdienste zuschreiben, die sie den Zentren zu verdanken hatten. Wenn mit diesen "Erfolgen" jetzt gegen die in Baden-Württemberg sehr erfolgreiche und gut organisierte Regionalisierung extremer Frühgeburten gerichtlich vorgegangen wird, und auch noch mit Erfolg, dann ist das moralisch nicht zu vertreten. Frühgeborenen-Intensivmedizin wird vergleichsweise ordentlich vergütet. Das sollte nicht das Motiv für einen Kampf gegen die Regionalisierung von Frühgeburten sein, deren Effizienz seit Jahrzehnten immer wieder belegt wurde, selbst wenn kleineren Häusern die Existenzvernichtung droht. Dieser sollte auf andere Weise abgeholfen werden.  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tumorpatienten bei Schmerztherapie unterversorgt

Viele Krebskranke erhalten keine adäquate Schmerztherapie. Das hat eine erste Analyse der Online-Befragung "PraxisUmfrage Tumorschmerz" ergeben. mehr »

ADHS-Arznei lindert Apathie bei Alzheimer

Eine Therapie mit Methylphenidat kann die Apathie bei Männern mit leichter Alzheimerdemenz deutlich zurückdrängen. mehr »

Zehn Jahre "jünger" durch Sport

Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als ein Bewegungsmuffel. mehr »