Ärzte Zeitung, 15.06.2011

Mini-Workout im Büro gegen Rückenschmerzen

Stress am Arbeitsplatz kann schnell zu gesundheitlichen Problemen führen. Im Rahmen der Aktion "Schmerzfreie Stadt Münster" werden Programme der betrieblichen Gesundheitsförderung entwickelt.

Von Anne-Christin Gröger

Mini-Workout im Büro gegen Rückenschmerzen

Kurze Dehnübungen im Konferenzraum: Die ehemalige Sportlerin Heike Drechsler führt Bürosport vor.

© Anne-Christin Gröger

MÜNSTER. Erste Alarmzeichen konnten die Vorstände der Sparkasse Steinfurt schon vor beinahe zehn Jahren erkennen. Damals stand die Fusion der Bank mit der Sparkasse Ibbenbühren an - mit erheblichen Konsequenzen für die Mitarbeiter. Arbeitsstellen fielen weg, Aufgaben wurden anders verteilt, der Arbeitsalltag änderte sich. Die Auswirkung: Die Angestellten waren gestresst, der psychische Druck machte allen zu schaffen, Krankschreibungen waren an der Tagesordnung.

"Schon damals haben wir uns überlegt, wie wir Stress auffangen und die Gesundheit unserer Mitarbeiter verbessern können", sagte Sonja Gottwald, Mitarbeiterin Personal bei der Kreissparkasse Steinfurt, bei einer Unternehmerveranstaltung des Aktionsbündnisses "Schmerzfreie Stadt Münster" zur betrieblichen Gesundheitsvorsorge.

Es dauerte noch ein paar Jahre, dann rief die Bank eine Projektgruppe ins Leben, die ein Konzept für die Gesundheitsförderung entwickeln sollte. Inzwischen hat das Institut innerhalb des Aktionsbündnisses sein Engagement für Mitarbeitergesundheit ausgebaut.

In den Filialen finden regelmäßig Informationsveranstaltungen zu den Themen Ernährung, Bewegung und Entspannung statt. Führungskräften bietet die Sparkasse Seminare zur Stressbewältigung und zur Burn-Out-Prävention an. Die Angestellten können an Pilates- oder Yogakurse teilnehmen oder sich in autogenem Training üben. Die Kosten dafür übernimmt teilweise die Kreissparkasse selbst, teilweise die Barmer GEK Münster, mit der das Finanzinstitut bei der betrieblichen Gesundheitsvorsorge kooperiert.

Seit zwei Jahren hat die Bank eine eigene Gesundheitsmanagerin als Ansprechpartner für ihre Angestellten engagiert. "Ihr Büro ist nicht in unseren Räumlichkeiten", sagt Gottwald. Mitarbeiter können sich bei seelischen oder anderen Problemen anonym Rat holen und bekommen, falls nötig, auch Therapieplätze vermittelt. "Dieses Angebot wird sehr gut angenommen", sagt sie.

Seit etwa anderthalb Jahren engagiert sich das Aktionsbündnis "Schmerzfreie Stadt Münster" für den Kampf gegen den Schmerz. Es untersucht die Versorgung von Schmerzpatienten und will interdisziplinäre Konzepte zur Verbesserung entwickeln. Dafür arbeitet es mit Schmerz- und Palliativmedizinern, Pflegewissenschaftlern, Gesundheitsökonomen und Psychologen zusammen.

"Arbeitnehmer leiden immer häufiger an Schmerzerkrankungen", sagte Professor Jürgen Osterbrink, Leiter des Aktionsbündnisses. Allein das Krankheitsbild Rückenschmerzen verursache einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund 49 Milliarden Euro. "Hier sind Arbeitgeber gefragt, denn Rücken- und Gelenkschmerzen lassen sich mit Präventionsprogrammen oft vermeiden."

Vorschläge, wie Arbeitgeber schmerzbedingte Ausfälle ihrer Mitarbeiter vermeiden können, lieferte auch die zweifache Olympiasiegerin im Weitsprung Heike Drechsler. Sie ist Beraterin für betriebliches Gesundheitsmanagement bei der Barmer GEK. Ihre Empfehlung: "Unternehmer sollten unbedingt die gesundheitsrelevanten Strukturen ihres Betriebs kennen und sich für die Überwindung von Motivationshürden einsetzen."

Mit einem ergonomischen Arbeitsplatz sei es jedoch nicht getan. "Anreize zur sportlichen Betätigung sind oft viel wichtiger." Auch für Arbeitnehmer hatte Drechsler einen Rat: "Regelmäßige kleine Übungen, die auch in der Mittagspause oder zwischendurch am Schreibtisch absolviert werden können, helfen schon viel, zur Schmerzvermeidung beizutragen."

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