Ärzte Zeitung, 15.06.2011

Barmer GEK setzt auf Biosimilars

Nach Ansicht der Barmer GEK gibt es mit Biosimilars Einsparpotenzial von bis zu 25 Prozent.

Von Sunna Gieseke

zur Großdarstellung klicken

BERLIN. Nach Ansicht der Barmer GEK sollten Biosimilars - biomedizinisch hergestellte Nachfolgepräparate - in der Arzneimittelversorgung häufiger eingesetzt werden.

Zwar wirke die Kostendämpfungspolitik der schwarz-gelben Koalition, es gebe aber eine "nahezu ungebremste Dynamik" bei den Biologicals, zum Beispiel gentechnisch hergestellte Spezialpräparate gegen Rheuma, Multiple Sklerose und Krebs.

Biosimilars breiter einsetzen

"Hier liegen die Umsatzsteigerungen bei den Top-Sellern auch in den ersten vier Monaten 2011 über zehn Prozent", sagte Barmer GEK-Vize Rolf Schlenker anlässlich der Vorstellung des Arzneimittelreports 2011 in Berlin.

Daher müsse die "Erfolgsgeschichte der Generika" wiederholt und Biosimilars "breiter eingesetzt" werden, forderte Schlenker.

Biologicals hätten im Jahr 2010 Steigerungsraten zwischen acht und 17 Prozent erzielt, so Schlenker. Die Jahrestherapiekosten für Krankheiten wie Rheuma, Multiple Sklerose und Krebs liegen laut Arzneimittelreport häufig im fünfstelligen Bereich.

"Entsprechend asymmetrisch ist das Ausgabenprofil: Auf 0,84 Prozent aller Versicherten entfallen 30 Prozent der Arzneimittelausgaben", so Schlenker.

Professor Glaeske sieht viel Einsparpotenzial

Der Autor des Arzneimittelreports, Professor Gerd Glaeske von der Universität Bremen, sieht hier noch "viel" Einsparpotenzial. "Im Jahr 2010 hat der Einsatz von Nachahmerpräparaten rund zehn Milliarden Euro eingespart", so Glaeske.

Für Biosimilars sieht der Pharmaexperte zusätzliche Einsparpotenziale zwischen 20 und 25 Prozent. Mehr aber wahrscheinlich nicht. Denn im Vergleich mit den Referenzprodukten sind Biosimilars teilweise nicht so viel günstiger.

Der Preisunterschied vom Original zum Biosimilars für eine verordnete Tagesdosis beträgt teilweise nur 2,75 Euro.

Pro Generika: Kassen haben Einsparmöglichkeiten selbst in der Hand

Nach Ansicht des Pharmaverbandes Pro Generika haben die Kassen die Einsparmöglichkeiten selbst in der Hand. Gerade Rabattverträge mit Originalherstellern über den Patentablauf hinaus verringere die Motivation der Biosimilar-Anbieter, das "unternehmerische Risiko der Entwicklung" auf sich zu nehmen, sagte Verbands-Chef Bork Bretthauer.

Biosimilars können dann nicht in Wettbewerb mit den Erstanbietern treten. Die KBV fordert, dass der Arzneireport von der Arzneikommission der Ärzte überprüft werden sollte. Quoten für Somatropin-haltige Biosimilars sieht die KBV kritisch, da nur ein Produkt am Markt sei.

Lesen Sie dazu auch:
Zu viele Beruhigungsmittel für Demenzkranke

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »