Ärzte Zeitung online, 17.08.2011

AOK warnt vor "wildem MRSA-Screening" in Praxen

Untersuchung soll im ambulanten Sektor auf Risikopatienten begrenzt werden

BERLIN (fst). Bessere Infektionshygiene in Krankenhäusern und ein Screening von Risikopatienten hält der AOK-Bundesverband für sinnvoll. Ganz anders im ambulanten Sektor: Hier warnt der Kassenverband vor "wildem ungezielten Screening", falls diese Leistung in die Gebührenordnung aufgenommen wird.

Der Nutzen eines solchen Screenings sei bisher nicht nachgewiesen. Zudem habe die "Besiedelung mit diesen Keimen alleine keinen Krankheitswert", sagte Dr. Gerhard Schillinger, Geschäftsführer des Stabs Medizin im AOK-Bundesverband.

Er fordert, das ambulante Screening solle auf Patienten beschränkt werden, die ins Krankenhaus müssen und dort ein erhöhtes Risiko haben, dass aus der Keimbesiedelung eine Erkrankung wird.

Anders sehe der Sachverhalt im Krankenhaus aus, wo sich jährlich zwischen 400.000 bis 600.000 Patienten im Zuge einer medizinischen Behandlung infizieren. Ein Drittel der nosokomialen Infektionen könne durch bessere Hygiene vermieden werden.

Dass im novellierten Infektionsschutzgesetz den Kliniken hierfür keine zusätzlichen Mittel bereitgestellt würden, sei richtig, so Schillinger. Denn die geforderte bessere Hygiene sei für die Krankenhäuser kosteneffektiv: Werden Infektionen mit MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) vermieden, entfielen teuere Antibiotikatherapien, Behandlungstage auf der Intensivstation und lange Liegezeiten.

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