Ärzte Zeitung online, 14.10.2011

BKK für Heilberufe: Ende rückt immer näher

BERLIN (sun). Dass die BKK für Heilberufe dicht macht, wird immer wahrscheinlicher. Die Kassenaufsicht hat für die marode Kasse bereits das Anhörungsverfahren für eine Schließung eingeleitet - das hat der BKK Bundesverband bestätigt.

BKK für Heilberufe: Ende rückt immer näher

Das Hinweisschild der BKK für Heilberufe vor der Zentrale in Düsseldorf: Wird es bald abgehängt?

© Victoria Bonn-Meuser / dpa

Damit ist für eine Rettung der Kasse eine Frist von 14 Tagen gesetzt - ein möglicher Fusionspartner müsste also rasch gefunden werden. Nachdem mehrere Versuche gescheitert sind, einen geeigneten Fusionspartner zu finden, signalisierte nun die AOK Rheinland/Hamburg Interesse an einer Vereinigung.

Die BKK für Heilberufe sei "nicht mehr überlebensfähig"

Der Geschäftsführer des BKK Bundesverbandes, Heinz Kaltenbach, bestätigte, dass parallel zum Schließungsverfahren Fusionsverhandlungen mit der AOK geführt werden sollen. Allerdings sei aus unternehmerischen Gründen eher eine Kassenschließung sinnvoll: Die BKK für Heilberufe sei "nicht mehr überlebensfähig", und das Risiko könne durch eine Schließung auf mehrere Kassen verteilt werden.

"Eine Fusion ist aufgrund der bereits eingetretenen prekären finanziellen Situation keine tragfähige Option mehr", sagte Kaltenbach.

Eine Schließung solle "so schnell wie möglich" abgewickelt werden. Der Zeitpunkt dafür liege allerdings allein in der Macht des Bundesversicherungsamtes.

Weitere Sorgenkinder im BKK-System

Im BKK-System gebe es noch weitere "Sorgenkinder", so Kaltenbach. Auch die BKK Hösch sei auf Dauer nicht mehr "leistungsfähig". Es sei jedoch wahrscheinlich, bereits Anfang 2012 einen Fusionspartner für diese Kasse zu finden.

Debakel wie beim Aus der City BKK soll vermieden werden

Ziel sei es, bei der BKK für Heilberufe ein Debakel wie bei dem Aus der City BKK zu vermeiden. Für die Versicherten bestehe bei einer möglichen Fusion kein unmittelbarer Handlungsbedarf. In diesem Fall würde die Mitgliedschaft automatisch an die neue Kasse übergehen.

Bei einer Schließung könnten die Mitglieder von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen und eine neue gesetzliche Krankenkasse wählen, so Kaltenbach. Andernfalls würden sie zum Beispiel von ihrem Arbeitgeber bei einer neuen Krankenkasse angemeldet.

Die BKK für Heilberufe habe zurzeit etwa 80.000 beitragszahlende Mitglieder, vor zehn Jahren seien es noch 400.000 gewesen. Doch der Zusatzbeitrag von derzeit zehn Euro habe dazu geführt, dass viele gesunde Mitglieder zu anderen Kassen abgewandert seien.

Übrig geblieben seien viele "Problemfälle" – sogenannte Hochkostenpatienten, deren Erkrankungen nicht zu den 80 Krankheiten gehörten, die im morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) berücksichtigt würden.

BKK-Chef macht Politik verantwortlich

Kaltenbach machte vor allem die politischen Rahmenbedingungen für die derzeitige Kassen-Misere verantwortlich: Die schwarz-gelbe Koalition habe mit dem Zusatzbeitrag und Morbi-RSA "strukturelle Wettbewerbsverzerrungen" fortgeschrieben.

Für kleiner Kassen – wie jetzt die BKK für Heilberufe – sei dies wie eine "Schlinge, die sich immer mehr zuzieht". Er forderte daher, dass die Beitragsautonomie künftig wieder bei den Krankenkassen liegen solle.

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[14.10.2011, 19:28:44]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Peinlich, peinlich ...
für den Geschäftsführer des BKK Bundesverbandes, Heinz Kaltenbach! Wortreich macht er die Politik verantwortlich für falsche Mittelverteilung aus dem Gesundheitsfonds und das Desaster "seiner" BKK für Heilberufe. Der derzeitige Morbi-RSA ist ihm auch nicht gut genug.

Gleichzeitig verlustierte der BKK Bundesverband "jede Menge Kohle", finanziert aus GKV-Beiträgen seiner Mitglieder, um 6000 Bürger in 2010 retrospektiv am Telefon nach ihren g e f ü h l t e n Erfahrungen mit Wartezeiten befragen lassen. Gegenüber einer ähnlich dilettantischen Befragung 2008 ergaben sich keine relevanten Veränderungen: O h n e akute Beschwerden Wartezeit 25 Tage (2008: 26 Tage). Im Wartezimmer dann 27 Minuten (2008: 28). Bei PKV-Versicherten im Wartezimmer 21 Minuten (22). Bei Hausärzten im Mittel 27 Minuten (30). Einzig verlängert hat sich für privat Versicherte das Warten auf einen Termin ohne Beschwerden auf 17 Tage (2008: 12 Tage). Zwischen Notfall, akuter Dringlichkeit, chronischen Erkrankungen, Befindlichkeitsstörungen, Kontroll- und Vorsorgeterminen wurde nicht unterschieden. Daran hätten sich die Befragten am Telefon ex post auch kaum erinnern können. Dass Hausärzte i. d. R. taggleich bei Akutbeschwerden intervenieren, war natürlich keine Erwähnung wert.

Garniert wird diese äußeerst fragwürdige Beitragsverwendung von GKV- Kasseneinnahmen durch den GKV-Spitzenverband der Krankenkassen: Der hatte mit dem fragwürdigen Gutachten der Schweizerischen PROGNOS-AG die bundesweit angeblich notwendige ersatzlose S t r e i c h u n g von 12.000 (Fach-)Arztsitzen empfohlen.

Jürgen Graalmann vom AOK-Bundesverband zog dann mit einer aberwitzigen Interpretation der vom AOK-BV in Auftrag gegebenen "YouGovPsychonomics"- Studie "Budgetvorgaben, Arbeitsbelastung und Praxisöffnungszeiten am Quartalsende" nach. Er'vergaß' einfach, dass Vertragsärzte/-innen auch am Quartalsende Urlaub machen müssen. Denn Fortbildung, Jahresurlaub und Krankheitsausfälle ergeben 8 Wochen/Jahr. Mit realen 20 Praxissprechstunden-zeiten pro Woche (die tatsächliche Inanspruchnahme liegt weit höher) wollte er Vertragsärzte zu 51 Wochenarbeitsstunden verpflichten.

Die BKK für Heilberufe ist u. a. deshalb "nicht mehr überlebensfähig", weil sich die GKV-Kassen i n s g e s a m t nicht mehr auf ihre Kernkompetenz und Kengeschäfte, sondern auf's Ärzte-'Bashing' konzentrieren.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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