Ärzte Zeitung, 29.11.2011

Kommt der Zusatzbeitrag für alle?

Der Zusatzbeitrag ist vielen ein Dorn im Auge - den Kassen und den Patienten. Bleibt er also eine Ausnahme oder wird er die Zukunft sein? CDU-Gesundheitsexperte Spahn ist sich sicher: In zwei Jahren werden alle Kassen einen Zusatzbeitrag haben.

Quo vadis, Zukunftsbeitrag?

Kommt auf alle GKV-Versicherte in Zukunft ein Zusatzbeitrag zu?

© Setareh / fotolia.com.

BERLIN (sun). In spätestens zwei Jahren werden alle Kassen einen Zusatzbeitrag haben. Das hat CDU-Politiker Jens Spahn anlässlich der 16. Handelsblatt-Jahrestagung "Health" in Berlin prognostiziert.

Erst wenn es einen flächendeckenden Zusatzbeitrag gebe, werde das "Mikadospiel" der Kassen aufhören: Bisher versuchten diese, den Zusatzbeitrag möglichst zu vermeiden.

DAK erhebt Zusatzbeitrag - und verliert Hunderttausende Versicherten

Solange allerdings nur eine geringe Zahl der Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erhebe, gelte dies als ein "negatives Alleinstellungsmerkmal" der Kasse, so Spahn.

Wegen der Erhebung von Zusatzbeiträgen haben im Jahr 2010 Hunderttausende Versicherte ihre Krankenkasse gewechselt. Allein der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) kehrten innerhalb von zwölf Monaten rund 460.000 Versicherte den Rücken, die Zahl der Mitglieder sank bis Anfang 2011 auf 5,8 Millionen.

Versorgungsgesetz sorge für Wettbewerbs-Spielraum der Kassen

Dieses Wechsel-Phänomen wird sich nach Ansicht Spahns ändern, sobald tatsächlich alle Kassen einen Zusatzbeitrag erheben: Dann sei es nicht nur ein wichtiges Preissignal für die Versicherten, sondern auch ein Finanzierungs- und Wettbewerbsinstrument für die Kassen.

Mit dem Versorgungsstrukturgesetz, das zum 1. Januar 2012 in Kraft treten solle, plane die schwarz-gelbe Koalition den Wettbewerbs-Spielraum der Kassen zudem zu vergrößern: Unter anderem durch die Ausweitung von Satzungsleistungen, betonte Spahn.

Jacobs: Zusatzbeitrag setzt sich nicht durch

Der Vorstands-Chef der AOK Rheinland/Hamburg Wilfried Jacobs widersprach vehement: Seiner Ansicht nach werden im Jahr 2012 nur maximal 13 Kassen einen Zusatzbeitrag erheben, bis 2013 werde diese Zahl nur minimal wachsen.

Die Zusatzbeiträge bei den Versicherten einzufordern, erfordere zu viel bürokratischen Aufwand von den Kassen. Daher werde sich der Zusatzbeitrag langfristig auch nicht durchsetzen.

Allerdings müsse die Politik den Zusatzbeitrag nicht abschaffen: "Das regelt der Markt schon selbst", betonte Jacobs.

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[30.11.2011, 09:10:26]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
In 2 Jahren sind Wahlen!
Mein lieber Spahn, der von Ihnen so heiß begehrte Zusatzbeitrag ist doch nichts anderes , als eine Umverteilung von Oben nach Unten. Geringverdiener werden auch mit 20 € Monatsbeitrag für die GKV überproportional mehr belastet als Gutverdiener. Das war mit der gescheiterten "Kopfpauschale" noch extremer.

Ob Sie es wollen oder nicht, mehr Beitragsgerechtigkeit schafft man nur mit Einbeziehung a l l e r Einkommensarten und Er h ö h u n g der Beitragsbemessungsgrenze (BBG). Das Erfolgsmodell dafür gibt es mit der Deutschen Rentenversicherung und i h r e r BBG, wie für 2012 bereits von Schwarz-Gelb beschlossen: 5.600 € mtl. (West) bzw. 4.800 € (Ost).

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt Kaprun/A) zum Beitrag »

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