Ärzte Zeitung online, 21.12.2011

Immer mehr Kinder benötigen Sprachtherapie

BERLIN (chb). Immer mehr Kinder, die vor der Einschulung stehen, brauchen die Unterstützung eines Logopäden. Das geht aus dem aktuellen Heilmittelbericht hervor, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) veröffentlicht hat.

Demnach hat im vergangenen Jahr fast jeder vierte Junge im Alter von sechs Jahren eine Therapie beim Logopäden erhalten. Bei den Mädchen waren es 16,2 Prozent.

Die Auswertung der Daten zeigt einen erheblichen Anstieg bei der Verordnung sprachtherapeutischer Leistungen seit 2006. Diese gingen bei den Jungen um 20 Prozent nach oben, bei den Mädchen waren es sogar 30 Prozent.

Deutliche Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen zeigen sich auch bei den ergotherapeutischen Verordnungen. So waren 14 Prozent der sechsjährigen AOK-versicherten Jungen in ergotherapeutischer Behandlung, aber nur 5,6 Prozent der gleichaltrigen Mädchen.

31,2 Millionen Rezepte ausgewertet

Der Heilmittelbericht 2011 wertet die Heilmittelverordnungen aller 70 Millionen Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen aus. Dafür wurden nach WIdO-Angaben etwa 31,2 Millionen Rezepte ausgewertet. Demnach wurde im vergangenen Jahr 40 Millionen mal Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder Podologie verordnet.

Für die 263 Millionen einzelnen Behandlungen sind nach WIdO-Angaben Kosten in Höhe von 4,55 Milliarden Euro entstanden. "Rein rechnerisch hat damit jeder der 70 Millionen Gesetzliche Krankenversicherten 3,77 Behandlungen im Gegenwert von insgesamt 65,23 Euro erhalten", so der stellvertretende WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder.

Absoluter Spitzenreiter bei den Heilmittelverordnungen sind krankengymnastische Behandlungen. Auf sie entfielen 86 Prozent des gesamten Verordnungsvolumens.

Physiotherapie wird vor allem Frauen verordnet, die über 60 Jahre alt sind. Jede vierte Frau in dieser Altersgruppe war 2010 in physiotherapeutischer Behandlung, aber nur jeder fünfte Mann.

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