Ärzte Zeitung, 10.02.2012

Streit um frühe Nutzenbewertung eskaliert

BERLIN (sun). Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) scharf kritisiert. Das Institut missachte Standards der evidenzbasierten Medizin. Das IQWIG kontert: Die Vorwürfe sind unsachlich.

Streit um frühe Nutzenbewertung eskaliert

Sieht sich Kritik des vfa ausgesetzt: Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

© Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen

Kern des Anstoßes ist die frühe Nutzenbewertung neuer Wirkstoffe im Zuge des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG). Das Institut missachte bei der Nutzenbewertung internationale Standards evidenzbasierter Medizin, sagte vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer am Freitag in Berlin.

Ein Beispiel sei die Bewertung des Proteasehemmers Boceprevir. Durch diesen Wirkstoff würden deutlich mehr Hepatitis-C-Patienten virusfrei als mit alleiniger Standardtherapie, so Fischer.

Das Institut erkenne das in seiner Nutzenbewertung aber nicht als Heilung an. Der Gemeinsame Bundesausschuss sei nun die letzte Instanz, die dieses Ergebnis korrigieren könne.

IQWIG-Chef Professor Jürgen Windeler wies die Vorwürfe als unsachlich zurück. "Das Verfahren ist transparent. Jeder kann unsere Ergebnisse nachlesen und nachvollziehen, wie wir zu diesem Ergebnis gekommen sind", sagte Windeler der "Ärzte Zeitung".

Es sei zudem einmalig in Deutschland, dass das Ausmaß eines Zusatznutzens quantifiziert werde. Von internationalen Standards, die missachtet würden, könne nicht die Rede sein.

Das IQWIG hat bisher zehn Bewertungen veröffentlicht.

Insgesamt laufen 24 Verfahren. Für ein Arzneimittel haben bereits die Preisverhandlungen begonnen.

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