Ärzte Zeitung, 12.08.2012

Krankenkassen

Proteststurm gegen das Bundesversicherungsamt

Eine Formel im Morbi-RSA für Gestorbene soll geändert werden. Das bringt zahlreiche Kassen auf die Palme.

Kassen-Sturm gegen das BVA

Geht es nach den Kassen, soll Gesundheitsminister Bahr die Pläne des Bundesversicherungsamts stoppen.

© Papsch / imago

BERLIN (nös). Unter den Krankenkassen ist ein Proteststurm gegen geplante Änderungen am Morbi-RSA losgebrochen.

In einem Brandbrief an Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) fordern die Ersatzkassen (mit Ausnahme der DAK) und die Verbände der Betriebs- und Innungskrankenkassen ihn auf, entsprechende Pläne des Bundesversicherungsamts (BVA) zu stoppen. Stein des Anstoßes ist ein Vorschlag der Behörde, die Berechnung der Ausgaben für Verstorbene auf Pro-Tag-Werte umzustellen.

Damit würden "hohe dreistellige Millionenbeträge zwischen den Krankenkassen und auch Versorgungsregionen" umverteilt werden, heißt es in dem Schreiben, das der "Ärzte Zeitung" vorliegt. Die geplante Änderung sei von "wesentlicher Natur".

Kassen, die bereits heute mit deutlichen Unterdeckungen leben müssen, weil sie vergleichsweise gesunde Versicherte haben, würden durch die Umverteilung zusätzlich belastet, so die Kritik. Die vom BVA geplanten Änderungen seien "inhaltlich willkürlich" und führten zu Fehlsteuerungen und Kollateraleffekten.

Korrekturbedarf bestehe

Dennoch sehen auch die Autoren des Protestbriefs Korrekturbedarf am Morbi-RSA. "Insgesamt existiert ein ganzer Flickenteppich von Korrekturnotwendigkeiten (...). Einen Flicken herauszulösen und zu realisieren, ist der Komplexität der Zusammenhänge nicht angemessen."

Der Gesundheitsminister wird sich dem Protest kaum entziehen können. Immerhin vertreten die Absender des Schreibens gut 60 Prozent aller GKV-Versicherten.

Außerdem hatte selbst Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Flach (FDP) jüngst geäußert, dass "wesentliche Änderungen des Morbi-RSA derzeit nicht vorzunehmen sind". Zunächst wolle man weitere Erfahrungen sammeln.

[13.08.2012, 22:33:55]
Johann Gruber 
Proteststurm der Profiteure
Im Jahr 2009 waren 762.450 GKV-Versicherte gestorben. Das waren gerade einmal 1,1 Prozent aller Versicherten, aber sie verursachten gut 14,3 Prozent aller Ausgaben in der GKV.“ und „Der wissenschaftliche Beirat des Gesundheitsfonds hatte für Gestorbene eine durchschnittliche Deckungsquote von nur 29,1 Prozent errechnet.
Ziel des Gesundheitsfonds ist die notwendige bedarfsgerechte Finanzausstattung der Krankenkassen, die bisher in Bezug auf die besonders hohen Aufwendungen in den letzten Lebensmonaten weitgehend nicht stattgefunden hat - zu Lasten der Kassen, die überproportional Todesfälle ihrer Versicherten zu verzeichnen hatten.
Die Schlagzeige "Krankenkassen - Proteststurm gegen das Bundesversicherungsamt" ist deshalb irreführend und müsste eigentlich lauten "Krankenkassen - Proteststurm der Profiteure". zum Beitrag »

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