Ärzte Zeitung, 14.08.2012

Plankosten

Gerangel um Morbi-RSA im Todesjahr

Kassen mit einer überdurchschnittlichen Zahl alter - und damit todesnaher - Versicherter machen sich für eine Änderung des Morbi-RSA stark. Es geht um die Zuweisung von Plankosten im Todesjahr der Versicherten.

Wie soll der Morbi-RSA im Todesjahr funktionieren?

Stirbt ein schwerkranker Patient am Jahresende, ist das für die Krankenkasse nicht gut.

© PhotographyByMK / fotolia.com

KÖLN (iss). Wenn die vom Bundesversicherungsamt (BVA) geplante Änderung am morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) politisch verhindert wird, geht das zu Lasten der Versorgung schwer kranker und älterer Patienten.

Davor warnen der AOK-Bundesverband, die DAK, die Knappschaft-Bahn-See, die Deutsche BKK und die Bahn-BKK. Sie fordern eine schnellstmögliche Korrektur der Berechnung der Ausgaben für Verstorbene.

Aktuelle Bemessung führt zu Verzerrungen

Die aktuelle Bemessung der Zuweisungen für diese Gruppe führt zu Verzerrungen und benachteiligt Kassen mit überdurchschnittlich vielen alten und kranken Versicherten: Die durch die Behandlung Verstorbener entstandenen Kosten werden zurzeit auf das ganze Jahr hochgerechnet, bei der Zuweisung der Pauschalen wird aber nur die Zahl der Tage berücksichtigt, in denen sie tatsächlich gelebt haben.

Der wissenschaftliche Beirat des BVA hat sich bereits im September 2011 dafür ausgesprochen, künftig die Ausgaben pro Versichertentag zugrunde zu legen und auf eine Hochrechnung zu verzichten. Diesem Vorschlag hat sich das BVA jetzt angeschlossen.

Daraufhin haben eine Reihe von Krankenkassen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) aufgefordert, die Pläne des BVA zu stoppen. Sie warnen vor einer Umverteilung zwischen den Kassen.

"Morbi-RSA dient nicht der Kassenfinanzieren"

"Der Morbi-RSA hat das Ziel, die Versorgung zu finanzieren, und nicht, die Kassen zu finanzieren", entgegnet Bettina am Orde, Mitglied der Geschäftsführung der Knappschaft-Bahn-See. Gemeinsam mit den Vorsitzenden des AOK-Bundesverbands und der drei anderen Kassen hat sie mit Schreiben an Bahr, das BVA und den GKV-Spitzenverband auf den Vorstoß der Konkurrenz reagiert.

Bei der Behandlung Verstorbener im Morbi-RSA gehe es ganz klar um die Korrektur eines Rechenfehlers, betont am Orde. Die jetzt geplante Systematik sei internationaler Standard.

Auch die BAG Selbsthilfe macht sich für eine Umstellung stark. Sie verspricht sich vom dem Schritt eine bessere Versorgung alter und schwerkranker Menschen.

[16.08.2012, 00:35:51]
Johann Gruber 
Morbi-RSA dient Finanzierung der Versorgung
Wenig glücklich ist der in der ÄZ vom 14.8.2012 zitierte Satz "Der Morbi-RSA hat das Ziel, die Versorgung zu finanzieren, und nicht, die Kassen zu finanzieren" von Bettina am Orde, Mitglied der Geschäftsführung der Knappschaft-Bahn-See. Denn natürlich ist das Ziel des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs die bedarfsgerechte Zuweisung von Finanzmitteln an die Krankenkassen.
Aufgrund eines klaren Rechenfehlers bei der Behandlung Verstorbener im Morbi-RSA werden den betroffenen Kassen derzeit systemkonform notwendige Finanzmittel vorenthalten, die sie brauchen, um die Versorgung ihrer Versicherten zu finanzieren.
Vor dieser „Umverteilung“ ist also nicht nur nicht zu warnen, sondern sie ist nach einem Vorschlag des wissenschaftlichen Beirats des Bundesversicherungsamtes (BVA), dem sich das BVA jetzt angeschlossen hat, mit Nachdruck zu fordern. zum Beitrag »

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