Ärzte Zeitung, 15.08.2012

Kommentar

Wucher von Gesetzes wegen

Von Christian Beneker

Mit mehr als 1,5 Milliarden Euro stehen GKV-Versicherte bei ihrer Kasse in der Kreide - ein gewaltiger Betrag. Dabei sind es nicht einmal die geschuldeten Beiträge, die zu einer erdrückenden Last führen.

Sondern es sind die fünf Prozent, die die Krankenkassen monatlich auf die Schulden aufschlagen müssen.

Der Hintergedanke des Gesetzgebers, dass sich niemand aus dem Solidarsystem herausmogeln soll, geht als Schuss nach hinten los: Der Gesetzgeber stößt damit viele Kassenschuldner in einen Abgrund aus aussichtsloser Überschuldung und Armut.

Nebenher dreht er das Rad bürokratischer Zwangsmaßnahmen weiter, als gäbe es nicht mehr als genug Bescheinigungen.

Gewiss - bei unaufschiebbarer Krankheit wird der säumige GKV-Patient auch dann behandelt, wenn er nicht bezahlt hat. Aber diese Unaufschiebbarkeit muss ihm etwa der Hausarzt bestätigen.

So werden Hausärzte zum Zünglein an der Waage für eine Zuteilungsmedizin im Notfall - und indirekt zu Erfüllungsgehilfen einer verkorksten Gesetzesregelung.

Jetzt ist der Gesetzgeber gefordert. Er muss im Sinne aller Beteiligten den gesetzlich verordneten Absturz in die Schuldenfalle stoppen.

Lesen Sie dazu auch:
1,6 Millionen GKV-Versicherte: Im Teufelskreis der Kassenschulden

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Ein Gelähmter kann wieder gehen

Ein querschnittsgelähmter Mann kann wieder einige Schritte gehen - dank der elektrischen Rückenmark-Stimulation. Von Heilung wollen die Ärzte aber nicht sprechen. mehr »

OTC-Gebrauch verfälscht Laborwerte

Die meisten Patienten nehmen gelegentlich freiverkäufliche Arzneimittel ein. Nur wenige legen das gegenüber ihrem Arzt offen. Das hat Folgen, etwa für die Interpretation von Laborergebnissen. mehr »