Ärzte Zeitung, 16.09.2012

Dicke Kassenpolster

Von Prämien keine Spur

Boni und zusätzlichen Leistungen - damit reagieren die beiden größten deutschen Kassen TK und Barmer GEK auf Forderungen der Politik, die Rücklagen ihren Versicherten zugutekommen zu lassen. Bloß Prämien sucht man vergebens.

Von Helmut Laschet

Kassen knausern auch künftig mit Leistung

Ohne Schweiß kein Preis: Höhere Boni gibt es bei der TK nur bei mehr Präventions-Engagement.

© Robert Kneschke / fotolia.com

HAMBURG/KOBLENZ. Versicherte der Techniker Krankenkasse (TK) und der Barmer GEK werden vergeblich darauf warten, dass ihnen ihre Kassen Prämien aus den angesammelten Rücklagen zahlen.

Allerdings soll es partielle Leistungsverbesserungen geben, die die Techniker Krankenkasse aber an teilweise komplizierte Bedingungen knüpft.

So hat der Verwaltungsrat der TK am Freitag beschlossen, dass Versicherte bis zu 200 Euro jährlich erhalten können, wenn sie am Bonusprogramm der Kasse teilnehmen.

Dabei ist der Bonus gestaffelt, je nach dem, in welchem Ausmaß ein Versicherter die Voraussetzungen erfüllt.

In der ersten Stufe - hier muss der Versicherte an drei gesundheitsfördernden Maßnahmen teilnehmen - kann ein Bonus von 50 statt bislang 30 Euro erworben werden.

In der zweiten Stufe ab sechs Maßnahmen sind 100 Euro Bonus möglich (bislang 60 Euro), in der dritten Stufe mit über neun Maßnahmen wird ein Bonus von 200 Euro geleistet (bislang 110 Euro).

Alternativ können Versicherte ihre Teilnahme an der TK-Gesundheitswoche mit 200 Euro bonifizieren lassen.

Gelockert hat die Kasse ferner ihre Bedingungen für die Unterstützung bei der Teilnahme an qualitätsgesicherten Präventionskursen. Bisher hat die Kasse bis zu 80 Prozent bis maximal 150 Euro für insgesamt zwei Kurse übernommen.

Bedingung: der Inhalt der Kurse musste sich aus zwei unterschiedlichen Handlungsfeldern zusammensetzen. Jetzt können auch zwei Kurse mit denselben Handlungsfeldern bezuschusst werden.

Barmer GEK vom Defizit zum Überschuss

Wesentlich einfacher macht es die Barmer GEK ihren Versicherten. Nach dem Beschluss des Verwaltungsrats am Freitag werden zusätzliche Zuschüsse für osteopathische Leistungen, professionelle Zahnreinigung und Auslandsimpfungen angeboten.

Damit erweitert sich das Spektrum an Leistungen, die Barmer-Versicherte aus ihrem individuellen Leistungskonto abrufen können. Das Jahresbudget auf diesem Konto ist allerdings nach wie vor bei 150 Euro gedeckelt - es gibt also keine Mehrleistungen mit mehr Kosten.

Beide Ersatzkassen haben in den letzten Jahren Reserven gebildet, allerdings in höchst unterschiedlichem Ausmaß. Besonders fett gepolstert ist die TK, die offenbar auch von ihrem Wachstum profitiert.

Das in der Bilanz ausgewiesene Netto-Reinvermögen hat sich allein im vergangenen Jahr um rund eine Milliarde Euro auf knapp drei Milliarden Euro erhöht. Hinzu kommen Rückstellungen von 790 Millionen Euro.

Gebunden sind die Mittel langfristig in "anderen Geldanlagen" (knapp 2,6 Milliarden Euro) sowie in kurzfristig laufenden Wertpapieren (knapp 2,1 Milliarden Euro).

Die Leistungsausgaben der TK betrugen im vergangenen Jahr 14,9 Milliarden Euro, der Überschuss erreichte 973 Millionen Euro.

Von einer solchen Liquiditätsschwemme kann die Barmer nur träumen: Bei Leistungsausgaben von 23,1 Milliarden Euro betrug der Überschuss 340 Millionen Euro, das ist ein Drittel des TK-Überschusses.

Noch im Jahr zuvor hatte die Barmer GEK ein Defizit. Ihre Rücklagen konnte die Barmer auf knapp 700 Millionen Euro erhöhen.

Die Finanzen von TK und Barmer im Vergleich

TKBarmer GEK
Leistungsausgaben14.936 (+ 12,8 %)21.506 (+ 2,9 %)
Überschuss     973 (+ 68,6 %)     340 (VJ: - 260)
Netto-Reinvermögen *  2.968 (+ 49,0 %)-
Betriebsmittel und Rücklage*  -     696 (+ 98 %)
* nicht direkte vergleichbare Bilanz-Posten
Quelle: Jahresbericht der TK und der Barmer GEK für 2011, Tabelle: Ärzte Zeitung

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Das Geld fest im Griff

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