Ärzte Zeitung online, 02.10.2012

Südwesten

Bald Online-Schulungen für Depressive und Hypertoniker

Neues Angebot der AOK Baden-Württemberg: Patienten mit Depressionen oder Bluthochdruck können bald ein mehrwöchiges E-Learning-Programm absolvieren. Davon profitieren nicht nur die Teilnehmer - sondern auch der begleitende Hausarzt hat etwas davon.

Bald Online-Schulungen für Depressive und Hypertoniker

Ein Screenshot der Webseite mit einer Online-Schulung.

© HausMed

STUTTGART (fst). Patienten im AOK-Hausarztvertrag in Baden-Württemberg sollen die Möglichkeit für Online-Schulungen erhalten.

Ab November können Hausärzte ihren eingeschriebenen Patienten mit leicht- bis mittelgradiger Depression oder mit Bluthochdruck entsprechende E-Learning-Programme anbieten.

Die auf zwölf Wochen angelegte Online-Schulung soll den Patienten helfen, "besser mit ihrer Krankheit zurechtzukommen und gesundheitsfördernde Verhaltensweisen zu erlernen und verinnerlichen", sagt Dr. Christopher Hermann, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg.

Angeboten werden die Online-Schulungen durch das Unternehmen HausMed eHealth Services in Berlin.

Es wurde vor zwei Jahren als "Initiative des Deutschen Hausärzteverbandes" gegründet und besteht nach eigenen Angaben aus einem "interdisziplinären Team aus Ärzten, Psychologen, Gesundheitspädagogen und E-Learning-Experten".

Patienten, die die Kurse auf private Initiative und außerhalb des AOK-Hausarztvertrags buchen, zahlen je nach Programm zwischen 69 und 89 Euro. Für eingeschriebene Versicherte dagegen gehört die Teilnahme an den Online-Angeboten zum Leistungsumfang.

Hausärzte erhalten Vergütung für Begleitung

Für Ärzte sind alle Funktionen auf der Webseite www.hausmed.de nach Unternehmensangaben kostenfrei. Hausärzte, die ihre Patienten bei der Online-Schulung begleiten, sollen ein Honorar nach der bestätigten Teilnahme eines Patienten und nach erfolgreichem Abschluss des Online-Kurses erhalten, sagte Manfred King, Sprecher des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg, der "Ärzte Zeitung".

Über die Höhe der Vergütung werde gegenwärtig noch verhandelt. Vorgesehen ist, dass Ärzte oder die Versorgungsassistentin VERAH die Teilnehmer durch "regelmäßige Telefonanrufe als Motivationshilfe" unterstützen.

Hausärzteverbands-Chef Dr. Berthold Dietsche hält es angesichts des besonderen Vertrauensverhältnisses für "ideal", dass das Praxisteam die Patienten beim Schulungsprogramm begleitet.

Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner begrüßt, dass die Rolle der Versorgungsassistentin bei der Behandlung chronisch Kranker gestärkt wird.

Das Unternehmen bietet neben den Schulungen zu den Indikationen Depressionen und Bluthochdruck auch E-Learning-Programme zu Präventionsthemen (Abnehmen, Rauch-Stopp, Stress-Abbau) sowie zu Diabetes und zum Thema "gesunder Rücken" an.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[03.10.2012, 00:03:30]
Dr. Gabriela Hang 
Online-Schulungen für Depressive und Hypertoniker
Auch die AOK-BW wird es spätestens bei der Evaluation des Programms merken, obwohl sie es natürlich wie gewohnt nicht zugeben wird: Keine Schulung, kein Onlineprogramm hilft Fehlverhalten, will sagen "selbstschädigendes" Verhalten zu bezwingen. Noch nie hatten so viele Menschen so viel Zugang zu allen nur erdenklichen Informationen. Niemand braucht und niemandem hilft daher eine Onlineschulung außer denen, die damit Geld zu verdienen trachten. Es hilft nur eins: Sanktionen für Übergewichtige und Raucher, Maßnahmen, die man auch als "Selbstverantwortung" titulieren könnte, wenn man die heiße Kartoffel "Sanktionen" nicht anfassen will. Normalgewichtige, Nichtraucher und Leute, die sich ordentlich bewegen und vernünftig essen sind die Minderheit unter den chronisch Kranken. Unter dieser Voraussetzung ist all der DMP- und Schulungsblödsinn entbehrlich. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »