Ärzte Zeitung, 11.01.2013
 

Kommentar zur Physiotherapie

Kein Kompetenzgerangel

Von Ilse Schlingensiepen

Manche Ärzte werden es nicht gern hören: Nach den Zwischenergebnissen eines Modellvorhabens verbessert sich die Versorgung, wenn die Physiotherapeuten von der ärztlichen Verordnung abweichen können.

Patienten, bei denen der Therapeut eigenständig über Auswahl, Dauer und Frequenz der Behandlung entscheidet, schneiden bei Lebensqualität, Gesundheitszustand und Alltagsfunktionen besser ab.

Zwar basiert die Auswertung bislang nur auf einer relativ kleinen Zahl von Endbefunden. Die Ergebnisse entsprechen aber den Erfahrungen aus anderen Ländern. Dass die Physiotherapeuten bei der Entscheidung über die beste Therapie treffsicherer sind als viele Ärzte, dürfte ohnehin nicht überraschen.

Denn schließlich kennen sie durch ihre Ausbildung die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten genau und wissen, was beim jeweiligen Patienten am besten wirkt.

Wenn Physiotherapeuten die letzte Behandlungsauswahl treffen, greift das nicht in die ärztliche Kompetenz ein. Mit der Verordnung entscheiden die Ärzte weiter darüber, ob der Patient eine Krankengymnastik oder andere Therapie benötigt oder nicht.

Dafür, dass Patienten den Physiotherapeuten am besten direkt aufsuchen sollten, liefert das Modellvorhaben keinen Beleg.

Lesen Sie dazu auch:
Evaluation vorgelegt: Physiotherapeuten machen's besser

[11.01.2013, 15:33:20]
Andreas Schwartz 
Treffend formuliert
Das Modellvorhaben zeigt, dass Physiotherapeuten bei der Auswahl, Frequenz und Anzahl der Behandlungen verantwortungsvoll handeln und mehr Autonomie nicht zu ausufernden Behandlungsserien führt.
Wie Sie richtigerweise feststellen, belegt es nicht, dass der Patient den Physiotherapeuten direkt aufsuchen soll. Jedoch gibt es in Studien aus anderen Ländern deutliche Hinweise, dass es sinnvoll sein kann, Patienten den direkten Kontakt zu einem auf diese Situation vorbereiteten und qualifizierten Physiotherapeuten zu ermöglichen.
In der physiotherapeutischen Aus- und Weiterbildung wird intensiv daran gearbeitet, dass Therapeuten ihre Kompetenzen in den Bereichen Diagnostik, Erkennen von Kontraindikationen etc. erweitern und auch darin geprüft werden, so dass auch Ärzte keine Angst um das Wohl Ihrer Patienten haben müssen, wenn diese einmal gleich den Physiotherapeuten aufsuchen.
Bedenkt man lange Wartezeiten bei Fachärzten, dann käme eine Entlastung doch gerade recht. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »