Ärzte Zeitung, 27.02.2013
 

Herstellerabschlag

Dämpfer für Arzneiausgaben der PKV

Der Arzneimittelumsatz der PKV unterscheidet sich strukturell noch immer ganz erheblich von dem der GKV. Aber: Auch bei den Privaten halten Zwangsrabatte die Ausgaben im Zaum.

Von Ilse Schlingensiepen

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Ausgaben für Arzneien - auch bei der PKV wachsen sie weniger stark.

© DeVIce / fotolia.com

KÖLN. Die privaten Krankenversicherer (PKV) haben 2011 im Durchschnitt 272,83 Euro pro Kopf für Arzneimittel ausgegeben. Das waren 0,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das zeigt die jetzt veröffentlichte Untersuchung "Arzneimittelversorgung der Privatversicherten 2011" des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP).

Die Verordnungsmenge je privat Versichertem stieg demnach leicht von 10,2 auf 10,3. Der WIP-Analyse liegen 55,5 Millionen Arzneimittelverordnungen von 15 PKV-Unternehmen zugrunde, die zusammen 74 Prozent aller Privatversicherten als Kunden haben.

Insgesamt gab die Branche 2011 für Arzneimittel 2,4 Milliarden Euro aus (+1,8 Prozent). Die Differenz zum Pro-Kopf-Zuwachs erklärt sich aus der gestiegenen Anzahl PKV-Versicherter.

Dass das Plus so moderat ausfiel, war vor allem dem erstmals auch den privaten Kassen zugute gekommenen Herstellerabschlag zu verdanken, der 204 Millionen Euro einzusparen half.

Ohne diese Rabatte hätte der Anstieg 8,5 Prozent betragen. Von den PKV-Gesamtausgaben entfielen elf Prozent auf Arzneimittel - in der GKV waren es rund 17 Prozent.

Das umsatzstärkste Medikament in der PKV war mit 54,2 Millionen Euro wie in den Vorjahren der Cholesterinsenker Sortis® (Atorvastatin) vor dem Antirheumatikum Humira® (Adalimumab) und dem Magenmittel Nexium® (Esomeprazol). Den größten Umsatzsprung verzeichnete Lucentis® (Ranibizumab) gegen Makuladegeneration.

Generikaquote nicht über 15 Prozent

Hierfür gaben die Privaten mit 5,9 Millionen Euro 47 Prozent mehr aus als 2010. Das Schmerzmittel Voltaren®, in der GKV nur in Ausnahmefällen erstattungsfähig, war in der PKV 2011 das am häufigsten verordnete Medikament. Es wurde mehr als 1,4 Millionen Mal verschrieben.

Während GKV-Versicherte die meisten OTC-Präparate selbst zahlen müssen, können sich PKV-Kunden die Kosten erstatten lassen, wenn ein Arzt das Mittel verordnet hat.

2011 entfielen 36 Prozent aller PKV-Verordnungen auf OTC-Präparate, 2010 waren es noch 34,1 Prozent. Damit nahm erstmals seit Jahren der Anteil der OTC-Verordnungen wieder zu.

Auch die Generikaquote nahm in der PKV weiter zu, allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau als in der GKV. Der Anteil der Nachahmer am gesamten Verordnungsvolumen generikafähiger Wirkstoffe betrug 56 Prozent, 0,5 Prozentpunkte mehr als 2010. In der GKV betrug die Quote 94,7 Prozent.

"Trotz steigender Generikaquote in der PKV ist die Schere zwischen PKV und GKV bei generikafähigen Wirkstoffen wie bereits 2010 größer geworden", schreibt der Autor der Untersuchung Dr. Frank Wild.

"Von den Wirkstoffen mit Patentablauf im Jahr 2011 liegt die Generikaquote in der PKV bei keinem Wirkstoff über 15 Prozent, in der GKV erreichen zwei Wirkstoffe sogar eine Generikaquote von über 60 Prozent."

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