Ärzte Zeitung, 29.04.2013

MDK

Jede zweite überprüfte Klinikrechnung fehlerhaft

BERLIN. Die Kassenprüfer schlagen Alarm: Bei jeder zweiten überprüften Klinikrechnung gab es im vergangenen Jahr Fehler. Die Politik will handeln: Es wird ein "Schlichtungsausschuss" geschaffen. Sanktionen: Fehlanzeige.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben bei der Überprüfung von Krankenhausrechnungen eine Fehlerquote von 50 Prozent aufgedeckt. Der Medizinische Dienst (MDK) habe im ersten Halbjahr 2012 elf Prozent aller Klinikabrechnungen überprüft, sagte Florian Lanz, der Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), am Sonntag.

Jede zweite Rechnung habe sich als fehlerhaft erwiesen. Lanz bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des "Spiegel".

Laut Magazin wurden die Kassen im vergangenen Jahr durch die fehlerhaften Abrechnungen mit hochgerechnet rund zwei Milliarden Euro belastet. Ein Teil dieser Summe konnte allerdings von den Kliniken zurückgeholt werden, sagte Lanz.

Er betonte, dass diese Falschabrechnungen nicht unbedingt auf Betrug oder vorsätzliche Täuschung zurückgingen: "Wir sind keine Staatsanwaltschaft."

Lanz kritisierte, dass die Krankenhäuser bei fehlerhaften Abrechnungen keinerlei Risiko trügen: Sie müssten lediglich den zuviel erhaltenen Betrag zurückzahlen. Erweise sich eine überprüfte Rechnung dagegen als korrekt, müsse die Krankenkasse der Klinik 300 Euro als Entschädigung zahlen, berichtete Lanz.

Er verglich das Verfahren mit einer Fahrkartenkontrolle: "Wenn Sie eine Fahrkarte haben, dann muss der Kontrolleur Ihnen fünf Euro zahlen als Entschädigung, weil er Sie belästigt hat. Wenn Sie aber keine Fahrkarte haben, dann sagt der Kontrolleur: 'Na, dann kaufen Sie sich doch bitte mal eine'; und mehr Strafe gibt es nicht." Dieses kaum nachvollziehbare System werde auch durch laufende Gesetzgebungsverfahren nicht geändert, kritisierte Lanz.

Die Krankenhausfinanzierung soll noch vor der Bundestagswahl reformiert werden, bestätigte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Sonntag. Die Reform werde derzeit im Parlament beraten. Sie sehe vor, dass ein "Schlichtungsausschuss" von Kliniken und Kassen bis Ende 2013 Verfahren entwickelt, mit denen bürokratischer Aufwand und Interpretationsspielräume reduziert werden.

<>(dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Alzheimer-Anzeichen schon 25 Jahre vor Ausbruch

Die Alzheimer-Demenz kündigt sich in einigen Formen offenbar lange vor Krankheitsbeginn an. Das bringt Zeit, um die Erkrankung zu verhindern - womöglich sogar zwei Jahrzehnte. mehr »

Konzept der E-Patientenakte steht

Die elektronische Patientenakte nimmt konkrete Formen an. Ärzte, Zahnärzte, Krankenkassen und gematik haben sich auf ein Vorgehen zur Gestaltung der ePA geeinigt. Die Industrie bleibt vorerst außen vor. mehr »

Placebo ist nicht gleich Placebo

Ein Scheinmedikament zu verordnen, gilt manchen Ärzten als anrüchig - andere halten es für legitim. Bei vielen hängt es davon ab, woraus das spezielle Placebo besteht. mehr »