Ärzte Zeitung online, 29.05.2013
 

Mitgliederwerbung

Aufsicht nimmt DAK ins Visier

80 Euro, dann ist Schluss: Soviel dürfen Krankenkassen als Prämie für neue Mitglieder zahlen. Jetzt gerät die DAK Gesundheit unter Verdacht: Sie soll über die Stränge geschlagen haben. Die Aufsicht ermittelt.

Von Florian Staeck

Aufsicht nimmt DAK ins Visier

DAK Gesundheit: Zu hohe Prämien gezahlt?

© Angelika Warmuth / dpa

HAMBURG. Die DAK Gesundheit soll nach einem Bericht von "NDR Info" mit einem privaten Zusatzversicherer zusammenarbeiten, der seinen Vertretern überhöhte Prämien für die Neuwerbung von Mitgliedern bietet.

Seit 2004 arbeitet die bundesweit drittgrößte gesetzliche Kasse mit der Versicherungsgruppe Hanse Merkur zusammen.

Ob Zusatzschutz für Zahnersatz, Brille, Einbettzimmer im Krankenhaus oder eine Sterbegeldversicherung: Das in Hamburg beheimatete Unternehmen deckt private Zusatzversicherungen dort ab, wo eine gesetzliche Kasse nicht tätig werden darf.

Nach Angaben von "NDR Info" zahlt die Hanse Merkur ihren bundesweit 160 Vertretern, die mit der DAK Gesundheit kooperieren, bis zu 150 Euro je Neumitglied. Zudem sollen diese Prämien in dem Maße steigen, je mehr Neuversicherte ein Vertreter wirbt, heißt es.

Die geltenden Wettbewerbsgrundsätze für die Aufsichtsbehörden der gesetzlichen Krankenkassen schreiben vor, dass "gewerblich tätigen Dritten" eine Aufwandsentschädigung von maximal drei Prozent der monatlichen Bezugsgröße je aufgenommenem Mitglied gezahlt werden darf. Das entspricht aktuell 80,80 Euro.

Schon früher Ärger

"NDR Info" zitiert eine Vertreterin des Bundesversicherungsamts (BVA) mit den Worten, im vorliegenden Fall würden Anreize "in Richtung Drückerkolonnenmentalität" geschaffen.

Der Nachrichtenagentur dpa sagte BVA-Sprecher Tobias Schmidt am Mittwoch lediglich, die DAK Gesundheit sei aufgefordert worden, zu dem NDR-Bericht Stellung zu nehmen und Unterlagen einzureichen.

Die Kasse widersprach den Vorwürfen. Man zahle Vertriebsmitarbeitern der Hanse Merkur 60 Euro für die Neuaufnahme eines Mitglieds und schöpfe damit den gesetzlichen Rahmen von 80,80 Euro nicht aus.

Die mutmaßliche Aufstockung der Prämie von 60 auf 150 Euro durch den privaten Partner Hanse Merkur sieht das BVA ebenfalls kritisch. Dies werde als "Umgehung der Wettbewerbsgrundsätze" gewertet, gibt der NDR eine BVA-Mitarbeiterin wieder.

Die Mitgliederwerbung hat Krankenkassen wiederholt Ärger mit der Aufsicht eingebracht. Im März 2010 hatte das Bundesversicherungsamt in einem Rundschreiben "Beratungsbedarf" der Kassen in dieser Frage ausgemacht.

Nachdrücklich heißt es, ungeachtet des Wettbewerbs blieben Krankenkassen "als Organe der mittelbaren Staatsverwaltung auch bei ihren Werbemaßnahmen der gemeinsamen öffentlichen Aufgabe der gesundheitlichen Daseinsvorsorge verpflichtet."

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