Ärzte Zeitung, 04.07.2013
 

BKK Bayern

Wer in die Klinik muss, flüchtet in die Stadt

Nach einer Studie des BKK Landesverbandes Bayern werden Großstadt-Kliniken überproportional häufig aufgesucht. Die Kassen fordern, die Krankenhausplanung anzupassen.

MÜNCHEN. Wer auf dem Land wohnt und zur Behandlung ins Krankenhaus muss, zieht oftmals eine Großstadtklinik für den stationären Aufenthalt vor.

Nach einer Untersuchung, für die der BKK Landesverband Bayern die Daten von rund 2,2 Millionen BKK Versicherten mit Wohnort Bayern nach geografischen Gesichtspunkten analysiert hat, gibt es offenbar so etwas wie eine "Landflucht im Krankheitsfall".

Demnach wohnen zwar 48 Prozent der BKK-Versicherten auf dem Land, doch nur 13 Prozent der Krankenhausausgaben entfallen auf Landkliniken, berichtete Sigrid König, Vorstand des BKK Landesverbandes.

Umgekehrt würden fast die Hälfte der Ausgaben der Betriebskrankenkassen für stationäre Behandlung von Krankenhäusern in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern abgerechnet.

Das gestufte Versorgungssystem mit unterschiedlichen Versorgungstiefen und Schwerpunkten erkläre die Unterschiede nur zum Teil: "Auch der oft beklagte Landarztmangel scheint die Behandlungshäufigkeit in den Landkliniken jedenfalls nicht zu forcieren", sagte König.

Großstadtbewohner kostet Kassen mehr

Auffällig sei, dass der durchschnittliche Großstadtbewohner etwa neun Prozent mehr an Leistungsausgaben im Krankenhaus verursacht als ein Landbewohner. Zudem seien die Krankenhausfälle je Versicherten in der Großstadt um mehr als 16 Prozent höher als auf dem Land.

Und das, obwohl es in den Zentren eine hohe Facharztdichte und damit oft auch eine ambulante Behandlungsalternative gebe. Ursache sei offenbar das höhere und spezialisiertere Angebot in den großstädtischen Kliniken, das sich seine Nachfrage schaffe, sagte König.

Als Konsequenz müsse die Krankenhausbedarfsplanung neu aufgestellt werden, forderte König. "Wir haben keine steuernde Krankenhausplanung", sagte sie.

Während das nächstgelegene Krankenhaus meist nur im Akut- und Notfall aufgesucht werde, würden flächendeckend Spezialabteilungen - zum Teil auch mit Fördergeldern - aufgebaut, die die dann auch gefüllt werden. "Wir müssen weg von der Überangebots-Mengenspirale hin zu einer morbiditätsorientierten Qualitätsoffensive", sagte König.

Knapp 22 Prozent der Einwohner Bayerns wohnen in Großstädten (über 100.000 Einwohner). Auf dem Land (Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern) leben knapp 46 Prozent. (sto)

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