Ärzte Zeitung, 18.10.2013
 

Krankenkassen

Kammerchef will Beitragsautonomie zurück

Ein umfassend reformiertes duales Krankenversicherungssystem fordert Bayerns Kammerchef Kaplan.

BAMBERG. Für eine grundlegende Reform der Finanzierungsgrundlagen des Gesundheitssystems auf der Grundlage einer Dualität von gesetzlicher und privater Krankenversicherung hat sich der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), Dr. Max Kaplan, ausgesprochen.

In den Gesundheitsfonds sollten künftig nur noch die Arbeitgeberbeiträge fließen, während die einzelnen Krankenkassen bei ihren Versicherten autonom Beiträge erheben, die sich entweder am Einkommen orientieren oder in Form von Versicherungsprämien geleistet werden, erklärte Kaplan beim Bayerischen Ärztetag in Bamberg.

Durch die Einrichtung von Gesundheitssparkonten, die steuerlich gefördert werden, könne zudem mehr Generationengerechtigkeit erreicht werden, so Kaplan.

Für die PKV forderte Kaplan die Festlegung eines Mindest-Leistungsspektrums und die Portabilität der Altersrückstellungen. Notwendig seien außerdem mehr Transparenz bei den Versicherungstarifen sowie eine "nachhaltige Änderung des Provisionssystems".

Nach Kaplans Angaben steht die Gesundheitsversorgung in den kommenden Jahrzehnten vor enormen Herausforderungen. Die demografische Entwicklung treffe nicht nur die Bevölkerung allgemein, sondern auch die Ärzteschaft.

Attraktivität des Arztberufs steigern

Bei den Vertragsärzten sei das Durchschnittsalter in den vergangenen 20 Jahren von 46,6 auf 52,8 Jahre gestiegen und bei den Krankenhausärzten von 38 auf 41,3 Jahre.

Mit der demografischen Entwicklung gehe auch ein Anstieg der altersbedingten Krankheiten einher. Experten gehen deshalb mit einem um 20 Prozent erhöhten Versorgungsbedarf in den kommenden Jahrzehnten aus, berichtete Kaplan.

Um eine qualifizierte medizinische Versorgung auch in Zukunft sicherstellen zu können, müsse die Attraktivität des Arztberufes gesteigert werden, forderte Kaplan. Die Delegation geeigneter ärztlicher Leistungen an nichtärztliche Fachkräfte sollte gefördert und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestärkt werden.

Um dies zu erreichen, sollten neue Versorgungsstrukturen gefördert werden, indem die sektorenübergreifende Versorgung ausgebaut und haus- und fachärztliche Kooperationsformen unterstützt werden. (sto)

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