Ärzte Zeitung online, 29.08.2014

Klinikrechnungen

Neue MDK-Prüfung hat keine Gewinner

Krankenhäuser und Kassen haben die Überprüfungen der Rechnungen reformiert. Richtig glücklich damit ist aber keine der beiden Seiten. Noch immer werden Millionen Rechnungen pro Jahr kontrolliert.

Neue MDK-Prüfung hat keine Gewinner

Wo lässt sich hier der Rotstift ansetzen?

© Gina Sanders / fotolia.com

BERLIN. Endlose Querelen und mehrfache Nachkorrekturen von Klinikrechnungen soll es ab 2015 nicht mehr geben. Darauf haben sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der GKV-Spitzenverband nach zähen Verhandlungen geeinigt.

Die erst von der Bundesschiedsstelle herbeigeführte Übereinkunft stimmt beide Seiten aber nicht froh: "Es gibt keine Gewinner, nur unterschiedliche Betroffenheit", kommentierte DKG-Präsident Alfred Dänzer am Freitag in Berlin das Ergebnis.

Kritik übt die DKG daran, dass nach wie vor Prüfungen auch von Rechnungen unter 2000 Euro möglich sein werden, gleichzeitig aber die neuen Einzelfallschlichtungen auf Landesebene den Weg zu den Sozialgerichten blockieren könnten.

Immerhin ist die Möglichkeit vereinbart worden, über einen vorgeschalteten Falldialog eine Rechnungsprüfung abzukürzen. Das Verfahren sei freiwillig und beinhalte zum Beispiel auch eine einmalige Datenkorrektur.

Johannes Wolff vom GKV-Spitzenverband zeigte sich enttäuscht, dass sich die Kassen mit ihrer Forderung nach 300 Euro Aufwandspauschale für einen gefundenen Abrechnungsfehler und weitere Sanktionsmöglichkeiten nicht durchgesetzt haben.

Immerhin sieht Dänzer die Chance, dass sich aus der Arbeit des neu eingerichteten Bundesschlichtungsausschusses eine "gelebte Schlichtungsverfahrensnorm" entwickele, sagte Dänzer. Das könne die Zahl der Verfahren senken helfen. Das setze aber voraus, dass die Krankenkassen aufhörten, Rechnungen massenhaft in Frage zu stellen.

2013 haben die Kassen 2,3 Millionen Klinikrechnungen überprüfen lassen. Aktuellen Zahlen der DKG zufolge beschäftigten sich die Prüfer in 64 Prozent aller Fälle damit, ob Patienten zu schnell aufgenommen beziehungsweise zu spät entlassen worden sind.

Im übergeordneten Schlichtungsausschuss sollen nun bundesweit auftretende medizinische Unklarheiten und Einschätzungsunterschiede zwischen den Selbstverwaltungspartnern schneller verhandelt werden. (af)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Schützt Blutdrucksenkung auch vor Demenz?

Bei medikamentöser antihypertensiver Therapie war in einer US-Studie das Demenzrisiko deutlich reduziert. Das könnte eine Hoffnung für Demenz-Patienten sein. mehr »

Hausärzte zur Kooperation mit Pflegeheimen verpflichtet

Union und SPD bringen ihr zweites Gesetzespaket in der Gesundheitspolitik auf den Weg. Es geht um ein Milliarden Euro schweres Pflege-Programm. mehr »

"Keine Angst, man schläft nicht in der Praxis!"

Zwei Mediziner mit eigener Praxis berichten Jungärzten offen von Licht und Schatten der Niederlassung. mehr »