Ärzte Zeitung, 22.04.2015

Sachsen-Anhalt

Kooperation für schnelle Termine beim Facharzt

In Sachsen-Anhalt wollen KV, AOK und IKK plus in einem Projekt ausloten, wie Patienten schneller einen Facharzttermin bekommen können. Die AOK verspricht sich davon eine bessere Versorgung ihrer Versicherten und einen Dialog zwischen den Arztgruppen.

MAGDEBURG. In Sachsen-Anhalt wollen Kassenärztliche Vereinigung, AOK und IKK gesund plus zeigen, dass kurzfristige Termine beim Facharzt auch ohne politische Reglementierung machbar sind.

Anders als im Gesetzentwurf der Bundesregierung zum geplanten Versorgungsstärkungsgesetz vorgesehen, soll über Facharzttermine nach Dringlichkeit und Notwendigkeit unterschieden werden.

"Wir stärken damit zum einen die Funktion des Hausarztes als Lotsen im System, garantieren unseren Patienten eine schnelle Weiterbehandlung beim Facharzt und fördern zudem Dialog und Miteinander zwischen den Arztgruppen", so AOK-Vorstand Ralf Dralle.

Vergütung: Zehn Euro pro Fall

Entscheidet der Hausarzt, dass eine Überweisung dringlich ist, nimmt er telefonisch oder per Fax Kontakt mit dem zuständigen Facharzt auf und sichert zu, dass die notwendigen Unterlagen schnell weitergeleitet werden.

In dringenden Fällen muss die Facharztbehandlung innerhalb von sieben, in sehr dringenden Fällen am nächsten Arbeitstag erfolgen. Zusätzlich zu ihrer Vergütung erhalten Haus- und Fachärzte je zehn Euro pro Fall.

In Vereinbarungen wie diesen sieht Dralle Möglichkeiten zur Verbesserung der medizinischen Versorgung der Versicherten. "Dafür Geld auszugeben, sind wir gern bereit", sagt er.

Im Gegenzug weist er aber Vorwürfe, die AOK spare sich durch Mehreinnahmen aus dem Gesundheitsfonds reich, entschieden von sich. "Es stimmt, wir tragen das höchste Morbiditätsrisiko und erhalten dafür auch entsprechend Geld aus dem Morbi-RSA.

Doch das wollen wir nicht mit der Gießkanne verteilen, sondern es unseren Versicherten direkt zugute kommen lassen."

Dralle spricht in diesem Zusammenhang von Versorgungsinnovationen und meint unter anderem die Finanzierung osteopathischer Behandlungen und integrierte Versorgungsangebote wie beispielsweise für Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz.

Ebenso spielt er auf den geringeren Beitragssatz der AOK Sachsen-Anhalt an, der seit Anfang des Jahres bei 14,9 Prozent liegt.

Damit habe die Kasse Erfolg: Nach seinen Angaben konnte seine AOK seit Jahresbeginn rund 15 000 neue Versicherte - vorwiegend jüngere "Semester" - gewinnen.

Mehr Bewegung dagegen sei nach Ansicht des AOK-Vorstandes im stationären Bereich nötig. "Wir haben nicht zu viele Krankenhäuser, aber ernste Strukturprobleme." So firmierten beispielsweise alle fünf Kliniken der Stadt Halle als Schwerpunkthäuser für die Viszeralchirurgie.

"Es gibt in Sachsen-Anhalt genauso viel Schwerpunktkrankenhäuser wie in Sachsen - bei nur halb so viel Einwohnern." Wichtig für die Patienten sei eine wohnortnahe Grundversorgung.

Über spezialisiertere Leistungen dagegen müsse auch im Interesse der Qualität nach konstruktiven Gesprächen mit dem zuständigen Ministerium und der Landeskrankenhausgesellschaft entschieden werden. (zie)

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