Ärzte Zeitung, 08.05.2015

Krankheitsliste

Demenz ist drin, ADHS draußen

BONN. Eine der zentralen Bausteine der Geldumverteilung zwischen den Krankenkassen, wird 2016 neu gefasst: Das Bundesversicherungsamt (BVA) hat die im kommenden Jahr gültige Liste von 80 Krankheiten bekannt gegeben, mit dem die "Morbiditätslast" der Versicherten einer Kasse ermittelt wird. Dies ist entscheidend für die Zuweisung von Geld über den Morbi-RSA.

Berücksichtigt werden sollen vor allem Krankheiten mit "schwerwiegendem Verlauf", die besonders kostenintensiv sind. Neu in die Liste aufgenommen wurden acht Krankheiten, darunter Demenz - einschließlich der Alzheimer-Erkrankung und der vaskulären Demenz -, Delir und Enzephalopathie, schweres Schädel-Hirn-Trauma oder Peritonitis.

Nicht mehr in der Liste enthalten sind unter anderem Angst- und Zwangsspektrumsstörungen, akute schwere Lebererkrankung sowie ADHS und Störungen des Sozialverhaltens sowie Entwicklungsstörungen. Letzteres stößt bei der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)auf Kritik.

Damit würden Kassen benachteiligt, die sich besonders für eine gute Versorgung betroffener Kinder und Jugendlicher einsetzen. Die BPtK forderte eine Altersadjustierung bei der Krankheitsauswahl im Morbi-RSA, da ADHS vorwiegend Kinder und Jugendliche betreffe.

Bereits 2007 habe der Wissenschaftliche Beirat im BVA in einem Gutachten festgestellt, dass Krankheiten, die Häufigkeitsgipfel in begrenzten Lebensabschnitten haben, unterbewertet werden, erinnert die BPtK. Allerdings lasse die Risikostruktur-Ausgleichsverordnung (RSAV) hier bislang keinen Spielraum zu, so dass das Bundesgesundheitsministerium die Verordnung an dieser Stelle ändern müsse, forderte die Kammer. (fst)

Topics
Schlagworte
Krankenkassen (17351)
ADHS (321)
Demenz (1959)
Organisationen
BVA (473)
Krankheiten
ADHS (583)
Demenz (3185)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Ein steiniger Weg nach Deutschland

Ob geflohen vor Krieg oder eingewandert aus anderen Teilen der Welt: Wer als ausländischer Arzt in einer deutschen Klinik oder Praxis arbeiten will, muss Ausdauer haben – und gutes Deutsch können. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen weht scharfer Gegenwind. mehr »