Ärzte Zeitung, 05.10.2015

GKV

BKK will schnell neuen Kassen-Ausgleich

Eine Reform des Morbi-RSA - daraus wird nichts bis 2017, fürchten die Betriebskassen. Sie warnen vor einer zunehmenden Schieflage der GKV.

BERLIN. Die Betriebskrankenkassen drängen mit Blick auf die Finanzergebnisse im ersten Halbjahr 2015 auf Änderungen im Morbi-RSA. Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbands, forderte eine Reform des Finanzausgleichs zwischen den Kassen noch in dieser Legislaturperiode.

Doch der CDU-Gesundheitspolitiker Michael Hennrich zeigte sich bei einer Veranstaltung des BKK-Dachverbands zu dem Thema skeptisch: Einen gesetzgeberischen Schnellschuss könne es angesichts der Komplexität des Morbi-RSA nicht geben.

Tatsächlich sind die Finanzergebnisse je nach Kassenart in den ersten sechs Monaten sehr unterschiedlich: Sie reichen in Euro pro Versichertem von einem Minus von 4,6 (AOK), 7,15 (Ersatzkassen), 10,85 (BKK) bis hin zu 21,85 Euro bei den Innungskassen.

Werde die Mittelverteilung nicht geändert, warnte Knieps für die Betriebskassen, öffne sich die Schere zwischen den Kassen weiter und "konterkariert den Wettbewerb". Prognosen für 2017 gehen von einem Zusatzbeitrag von 1,3 bis 1,5 Prozent aus.

Der Gesundheitsökonom Professor Stefan Greß (Hochschule Fulda) bezeichnete den Einkommensausgleich und die Morbiditätsorientierung des RSA als "grundsätzlich sachgerecht".

Allerdings sei die letzte Evaluation des Morbi-RSA mit Daten aus dem Jahr 2009 vorgenommen worden. Das Wissen über die empirische Wirksamkeit des Finanzausgleichs sei veraltet und müsse aktualisiert werden.

Regionale Komponente gefordert

Für die Berücksichtigung einer regionalen Komponente Morbi-RSA warb der Gesundheitsökonom Eberhard Wille (Universität Mannheim).

Dabei gehe es um exogene Faktoren, die eine einzelne Kassen quantitativ nicht beeinflussen könne, und zwar sowohl auf der Nachfrageseite (etwa Alter und Geschlecht der Versicherten) wie auch der Angebotsseite (medizinische Infrastruktur in Städten).

Als Folge komme es mit Blick auf die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds regional teils zu Unterdeckungen: Die höheren (Vorhalte-) Kosten für ein spezialisiertes Angebot in der ambulanten und stationären Versorgung würden im Morbi-RSA bisher nicht berücksichtigt, so Wille.

Neue Bewegung im Streit um den Morbi-RSA dürfte zu erwarten sein, wenn die Gesundheitsweisen noch in diesem Jahr ihr Sondergutachten zur Entwicklung beim Krankengeld vorlegen.

Die Zielgenauigkeit der Zuweisungen zur Deckung der Krankengeldausgaben sei deutliche geringer als bei anderen Leistungsausgaben, hat die Regierung erklärt. (fst)

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