Ärzte Zeitung, 21.10.2015

Psychotherapie

Mehr Hilfe für Kinder mit kranken Eltern

Erkrankt ein Elternteil schwer, so ist das für Kinder eine Belastung. Im Saarland wird nun eine Versorgungslücke geschlossen.

SAARBRÜCKEN. Im Saarland können Familien mit minderjährigen Kindern jetzt psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, wenn ein Elternteil schwer erkrankt ist. Die Techniker Krankenkasse (TK) und die KV Saarland haben dafür einen ab sofort geltenden Vertrag geschlossen.

Die TK übernimmt nach eigenen Angaben die Kosten für bis zu acht Beratungssitzungen. Die Leistungen werden außerhalb des Budgets vergütet.

Für Kinder sei es eine extreme Belastung, wenn ein Elternteil schwer erkrankt, erklärte der Leiter der saarländischen TK-Landesvertretung, Jörn Simon. "Sie erleben irrationale Schuldgefühle, Ängste und eine große Verunsicherung, denen sie häufig nicht gewachsen sind", sagte Simon. Mit dem neuen Vertrag schließe man eine Versorgungslücke.

Voraussetzung für die Leistung ist, dass ein TK-versichertes Elternteil an Krebs, Aids, psychischen Erkrankungen, Schlaganfall, Multipler Sklerose, Parkinson, Mukoviszidose, erblich fortschreitenden Muskelerkrankungen, Epilepsie, Sucht- oder Lebererkrankungen leidet. Bei welcher Kasse der andere Elternteil und das Kind versichert sind, spielt keine Rolle.

An dem neuen Vertrag können sowohl Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten als auch ärztliche und psychologische Psychotherapeuten teilnehmen. "Wir halten den Vertrag für sehr wichtig", erklärte der Chef der KV Saarland, Dr. Gunter Hauptmann. "Denn Kinder trauen sich oft nicht, über ihre Ängste zu sprechen". (kin)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Morphin bei Herzinfarkt – unverzichtbar aber umstritten

Morphin bei Herzinfarkt-Patienten: Die Sicherheit des Schmerzmittels hat sich in einer aktuellen Studie bewährt. Zweifel über ein mögliches Risiko bleiben aber vorerst. mehr »

Zu viele Hausbesuche = Regress!

Zwei hessische Landärzte wurden in Regress genommen, weil sie deutlich mehr Hausbesuche als ihre Kollegen absolviert haben. Über 50.000 Euro sollen sie zurückzahlen. Die Ärzte verstehen die Welt nicht mehr - und wehren sich. mehr »

Tot oder nicht tot – das ist hier die Frage

Särge mit Ausgängen und Glöckchen um die Arme: Schon seit Jahrhunderten ziehen Wissenschaftler die Eindeutigkeit des Todes in Zweifel. Eine neue Ausstellung in Berlin zeigt Exponate, die dem Scheintod ein Schnippchen schlagen sollten. mehr »