Ärzte Zeitung online, 21.10.2015

Kassenfusion mit Deutsche BKK

Barmer GEK will die Nummer eins werden

Die Techniker Krankenkasse könnte demnächst als Platzhirsch abgelöst werden: Barmer GEK und Deutsche BKK verhandeln über eine Fusion. Ganz klar sind die Absichten aber noch nicht.

Verhandlungen über Kassenfusion

Die Barmer GEK verhandelt mit der BKK über eine Fusion - oder auch nur eine Kooperation.

© Henning Kaiser/ dpa

BERLIN. Fusion oder nur Kooperation: Das ist zwischen Barmer GEK und Deutsche BKK nicht ausgemacht. Beide Kassen bestätigten der "Ärzte Zeitung", Gespräche über ein mögliches Zusammengehen zu führen.

"Im Falle einer Fusion mit der Deutsche BKK könnten wir unsere Marktposition deutlich stärken. Profitieren könnte die Barmer GEK auch davon, dass die Deutsche BKK stark im betrieblichen Gesundheitsmanagement aufgestellt ist", sagte Sprecher Athanasios Drougias.

 Er verweist darauf, man spreche auch über eine mögliche Kooperation unterhalb der Ebene einer Fusion. Falls die BKK von der Barmer GEK geschluckt wird, entstünde mit rund 9,6 Millionen Versicherten eine neue Großkasse - noch vor der TK.

Barmer steckt selbst mitte in der Sanierung

Allerdings steckt die jetzige Nummer zwei in der GKV mit 8,6 Millionen Versicherten selbst in einem Sanierungsprozess, in dessen Folge bisher 1200 Jobs abgebaut wurden, sagt Drougias. Doch die Restrukturierung "läuft gut", so der Sprecher. Das vergangene Jahr hatte die Barmer GEK mit einem Minus von knapp 400 Millionen Euro abgeschlossen.

Im laufenden Jahr wird der Fehlbetrag sich nach Drougias' Angaben auf 100 bis 130 Millionen Euro belaufen. Welche Folgen das für den Zusatzbeitrag im kommenden Jahr haben wird (bisher 0,9 Prozent), sagte der Sprecher nicht.

Erst müsse das Bundesgesundheitsministerium offiziell den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für 2016 festlegen. Nimmt man die Zahlen des Schätzerkreises zum Maßstab, wird dieser mindestens bei 1,1 Prozent liegen. Erst im Dezember werde der Verwaltungsrat der Kasse final über die Höhe entscheiden, so Drougias.

Die Deutsche BKK gehört mit 1,15 Millionen Versicherten zu den 20 größten Kassen in der GKV. Nach der Fusion mit der BKK Essanelle Anfang dieses Jahres arbeiten etwa 2000 Mitarbeiter in bundesweit rund 50 Geschäftsstellen, der Haushalt wird im laufenden Jahr mit 3,6 Milliarden Euro angegeben.

Viele Versicherte in Niedersachsen, NRW und Bayern

Die Kasse hat bedingt durch ihre Historie überdurchschnittlich viele Versicherte in Niedersachsen, NRW und Bayern. Auskunft über die aktuelle Finanzsituation der Kasse gab Sprecherin Janina Thom auf Anfrage nicht. Ende Oktober erfolge die Pflichtveröffentlichung des Geschäftsberichts 2014 im Bundesanzeiger, hieß es.

Seit Jahren kritisiert die Deutsche BKK Verteilungsfehler im Kassenausgleich. Im Streit um den Bescheid für den Morbi-RSA gewann die Kasse im Juli 2013 einen Prozess gegen das Bundesversicherungsamt. Angesichts der fehlenden Zielgenauigkeit des Morbi-RSA sei "dringend ein neues Gesamtgutachten auf aktueller Datenbasis nötig", forderte Thom.

Im Februar 2010 war die Deutsche BKK - wie mehrere andere Kassen auch - so finanziell in Bedrängnis geraten, dass sie einen Zusatzbeitrag von acht Euro erheben musste. Nachdem sich die Finanzlage gebessert hatte, konnte die Kasse den Extra-Obolus im Oktober 2012 wieder abschaffen. (fst)

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Flucht nach vorn

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