Ärzte Zeitung, 17.12.2015

Krankenkassen

Barmer GEK wird neuer Branchenprimus

Durch die Kassenlandschaft läuft eine Konsolidierungswelle. Hervorgebracht hat sie bereits den neuen Branchenprimus. Die Barmer GEK und die DAK vermelden an diesem Freitag ihre neuen Beitragssätze für 2016.

BERLIN. Spätestens nach der beschlossenen Fusion mit der Deutschen BKK wird die Barmer, wie die Kasse dann nur noch heißen wird, mit knapp zehn Millionen Versicherten vor der Techniker Krankenkasse die größte Einzelkasse im Land sein.

Im Moment sei die "schwarze Null" in der Bilanz des laufenden Jahres ein mögliches Ziel, sagte Straub am Mittwochabend in Berlin.

Der Zusammenschluss sei Teil der letzten größeren Konsolidierungswelle, die durch den Markt laufe. Die Fusion stärke die Beziehungen der neuen Großkasse zu den Unternehmen, in denen die Deutsche BKK aktiv ist, unter anderen MAN, Bayer, VW und die Telekom.

Straub setzt auf die mit dem Präventionsgesetz vorgeschriebene betriebliche Gesundheitsförderung. "Damit ergeben sich Möglichkeiten, die wir nutzen wollen", kündigte der Barmer-Chef an.

Als Konsequenz aus den Bereinigungen in der Kassenlandschaft warb Straub für eine Abkehr von der Kassenartenhaftung.

Die Politik werde verstehen, dass alles andere als die Haftung des gesamten Systems zu unkalkulierbaren Risiken führe, sagte Straub.

160 Geschäftsstellen geschlossen

Am Freitag geben mehrere Kassen, darunter die Barmer GEK und die DAK ihre Beitragssätze für das kommende Jahr bekannt. In Kassenkreisen wird geschätzt, dass eine Beitragsanhebung um 0,1 Prozent eine Kasse bis zu 1,5 Prozent ihrer Mitglieder kosten kann. Andere Kassen haben schon ihre neuen Beitragssätze verkündet (zum Kassen-Vergleich)).

Die positiven Ergebniserwartungen führt Straub auf die Reorganisation der Kasse zurück. Die Fusion mit der Gmünder Ersatzkasse (GEK) sei verdaut.

Neue Strukturen für die Hauptverwaltung in Wuppertal, eine stabilere Informationstechnologie sowie eine deutlich gestraffte Organisation und eine stringentere Führung der Geschäftsprozesse trügen zum Ergebnis bei. "Alle Faktoren zahlen darauf ein, dass wir besser laufen", sagte Straub.

Von den ursprünglich 760 Geschäftsstellen sind bereits mehr als 160 geschlossen worden. Übrig bleiben sollen laut Barmer GEK-Angaben 392 von der Mehrheit der Versicherten gut zu erreichende Filialen. Die Zahl der Mitarbeiter soll sich von 15.500 auf 12.000 verringern. 1100 sind bereits gegangen oder haben Aufhebungsverträge. (af)

[18.12.2015, 11:29:59]
Dr. Christoph Schay 
keine gute Nachricht!
Aus der bisherigen Erfahrung als niedergelassener Arzt ist die neue Fusion für die Versicherten und für die Ärzteschaft keine gute Nachricht. Die global Player auf dem Berliner Parkett entfernen sich von den Bedürfnissen ihrer Versicherten vor Ort. Zurück bleibt ein überforderter Sachbearbeiter der keine notwendigen Entscheidungen mehr treffen kann. Versorgung der Versicherten läuft dann über national operierende Firmen und die lokalen Anbieter, die bisher auch kurzfristige Lösungen auf kurzem Weg möglich machten bleiben auf der Strecke. Wer die bürokratische Versorgung mit Hilfsmitteln im Sterbeproze einmal erlebt hat, wendet sich schaudernd ab.

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