Ärzte Zeitung online, 29.12.2015
 

Anitkorruptionsgesetz

AOK Nordost will kriminalistische Sachkompetenz

Bei der Missbrauchsbekämpfung im Gesundheitswesen geht die AOK Nordost neue Wege.

POTSDAM. Vor dem Inkrafttreten des Antikorruptionsgesetzes stärkt die AOK Nordost nach eigenen Angaben ihre Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen.

Ab 2016 wird Corinna Keller, Wirtschaftskauffrau und AOK-Betriebswirtin, die Leitung übernehmen. Die bisherige Chefin, Heike Lass, geht in den Ruhestand.

Zudem wird ein ehemaliger Mitarbeiter des Landeskriminalamts Berlin die Stelle bei ihrer Arbeit unterstützen. Er verfügt laut AOK über spezielle Erfahrungen im Bereich Wirtschaftskriminalität.

"Wenn das Antikorruptionsgesetz kommt, was wir als Krankenkassen ausdrücklich begrüßen, wird sich die Arbeit der Missbrauchsbekämpfungsstellen deutlich ausweiten und damit auch die Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften verstärken", sagte Peter Wewer, Leiter der Rechtsabteilung der AOK Nordost.

Von dem Gesetz erhoffe man sich mehr Wirkkraft der Arbeit der Krankenkassen-Fahnder.

155 Strafanzeigen im Jahr 2014

2014 ermittelte die Missbrauchsbekämpfungsstelle der AOK Nordost, die für die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin zuständig ist, in 713 Fällen wegen Fehlverhalten, 155 Strafanzeigen wurden gestellt. Bundesweit prüften die AOK-Kassenfahnder im Jahr 2012/2013 knapp 9900 Hinweise und verfolgten insgesamt 14 700 Fälle.

45 Prozent der Ermittlungsfälle resultieren im Bereich Nordost aus kasseninternen Plausibilitäts- und Abrechnungs-Prüfungen. 55 Prozent kommen durch Hinweise, die von Personen außerhalb der Krankenkasse gegeben werden.

Generell stellt die Kasse fest, dass in der vergangenen Zeit sich "vermehrt Patienten, Versicherte und Bürger trauen und sich vertrauensvoll an ihre Krankenkasse wenden, um Hinweise zu eventuellen Fehlverhalten zu geben", so die Pressestelle.

"Sehr oft" kommen die Hinweise anonym, "da es sich beispielsweise um Mitarbeiter aus Institutionen handelt, die nicht erkannt werden wollen".

Auch Angehörige von Pflegebedürftigen gehören oft zu den Hinweisgebern. So betrafen 2014 Informationen zu Ungereimtheiten vor allem den Bereich der ambulant zugelassenen Pflegedienste und der Arznei- und Verbandmittel, hier vor allem Rezeptfälschungen.

"Schwarze Schafe gibt es jedoch bekanntlich überall", betont die AOK Nordost und will keine Berufsgruppe unter Generalverdacht stellen. (juk)

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